13:03 BAUPRAXIS

Neues Brückenbauverfahren: Wenn es wie am Schnürchen klappt

Geschrieben von: Robert Mehl (rm)
Teaserbild-Quelle: TU Wien

Die TU Wien hat ein Verfahren zum Brückenneubau entwickelt: Dabei werden die horizontalen Elemente zunächst vertikal auf Höhe ihres Mittelpfeilers aufgestellt und dann – ähnlich einem Regenschirm – nach beiden Seiten hin aufgeklappt. Die ersten beiden Brücken wurden nun so realisiert.

Klappbrücke Fürstenfeld Brückenträger

Quelle: TU Wien

Der erste von vier Brückenträgern unmittelbar vor Beginn des Ausklappverfahrens.

Im Jahr 2024 soll die S7 ihrer Nutzung übergeben werden. Sie verbindet die österreichische Autobahn A2 auf Höhe des Knotens Riegersdorf mit der Staatsgrenze zu Ungarn bei Heiligenkreuz. Dabei passiert die neue Trasse etwas nördlich von Fürstenfeld die Grenze zwischen den Bundesländern Steiermark und Burgenland, welche in diesem Bereich das Flüsschen Lafnitz bildet. Dieses und der vielleicht 500 Meter weiter östlich gelegene Lahnbach galt es mit zwei gleichartigen Brückenbauwerken von 106 beziehungsweise 116 Metern Länge zu überwinden.

Brückenklappverfahren 2006 entwickelt

Die ersten Planungen hierzu gehen auf das Jahr 2008 zurück, zunächst waren allerdings nur zwei klassische Stahlbeton-Stahlträger-Verbundbrücken vorgesehen. Im Sommer 2009 favorisierte dann die zuständige Autobahnbetreibergesellschaft, die Asfinag Baumanagement GmbH, ein alternatives Bauverfahren. Es handelte sich um das sogenannte Brückenklappverfahren, das im Jahr 2006 durch Johann Kollegger, Leiter des Instituts für Tragkonstruktion der TU Wien, entwickelt und patentiert worden war. Von dieser neuartigen Bauweise erhoffte sich die Asfinag deutliche Kosteneinsparungen.

Da zu dem Zeitpunkt hierzu nur kleinere Demonstratoren existierten, aber keine validen Erfahrungswerte, die eine seriöse Kalkulation zuliessen, wurde der bei der TU Wien angefragte Alternativentwurf sehr detailliert bis weit in die Ausführungsplanung hinein und unter Berücksichtigung der erforderlichen Bauphasen sowie der Spanngliedführungen ausgearbeitet. Dies ermöglichte eine Massenermittlung der Baustoffe Beton, Stahlbeton und Spannstahl, auch konnte nunmehr eine Baubeschreibung verfasst werden. Beides zusammen erlaubte eine Baukostenberechnung. Dabei sollte die Lahnbachbrücke als erstes angegangen werden. Der Kostenvergleich mit einer Stahlbeton-Stahlträger-Verbundbrücke ergab, dass die Errichtung eines Überbaus unter Anwendung des Brückenklappverfahrens um 25 Prozent günstiger war.

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