Lean-Construction-Tagung: Lean schlägt Improvisation

Teaserbild-Quelle: SBB / Keystone
Lean schlägt Improvisation

Wer Lean-Techniken anwendet, kann Kosten sparen. Das zeigt das Beispiel des neuen Vertragsmodells Generalunternehmer Plus beim Bau des Bözbergtunnels. Doch insbesondere für KMU gibt es bei der Implementierung auch einige Stolpersteine.

Es gibt wohl kaum einen Polier, der sich bei Problemen auf der Baustelle nicht schon gedacht hat: «Hätten sie mich vorher gefragt, hätte ich ihnen sagen können, dass das so nicht funktioniert.» Oft wünschen sich die Baubeteiligten, dass sie in einer früheren Phase zu einem Projekt dazugestossen wären. Dieser frühere Einbezug aller Projektbeteiligten ist allerdings nur ein Punkt, wo Lean Construction einsetzt. Denn grundsätzlich geht es bei diesem Ansatz, der ursprünglich aus den Toyota-Werken in Japan stammt, um die Vermeidung von Fehlern am Bau, die Optimierung des Bauprozesses und die stetige Evaluation der Ergebnisse.

Doch braucht man dazu einen Lean-Manager? Und wo macht Lean überhaupt Sinn? Ja, braucht man das als mittelständisches Unternehmen überhaupt? Und was wären die Vorteile? Diesen Fragen ging die vom VDI Wissensforum organisierte Lean-Construction-Konferenz Ende Juni in Frankfurt nach. Für Konferenzleiter Christoph Motzko von der Technischen Universität Darmstadt war schon zu Beginn der Veranstaltung klar: «Lean schlägt Improvisation am Bau». Allerdings muss Lean richtig eingesetzt werden.

So kam der Lean-Gedanke beim Neubau des Bözbergtunnels vor allem im Vertragsmodell zum Tragen. Denn die SBB entschieden sich, das Projekt im neuen Vertragsmodell «Generalunternehmer Plus» (GU +) auszuschreiben. Das bedeutet, dass der im Vertrag vorgesehene Gesamtleistungsauftrag sämtliche Leistungen von der Ausführungsplanung über die eigentlichen Bauleistungen vom Tunnelvortrieb über die Rohbauarbeiten bis hin zum Einbau der Bahntechnik und Übergabe des «schlüsselfertigen» Tunnels an die SBB Ende August 2020 umfasst. Den Zuschlag bekam schliesslich die Implenia Schweiz AG. Die Gesamtkosten für den 2,7 Kilometer langen Tunnel belaufen sich auf 145 Millionen Franken.

Gesamtleistungsmandate bevorzugt

Vorausgegangen war dieser Entscheidung der Fakt, dass das Investitionsvolumen der SBB Projekte in den Jahren 2012 bis 2016 markant gestiegen war. Deshalb hat eine Projektgruppe bestehend aus Vertretern der SBB, des Schweizerischen Baumeisterverbandes und des Fachverbandes Infra bereits 2012 einen Standbericht mit Empfehlungen zur Ausschreibung von Gesamtleistungsmandaten erarbeitet. Das Modell GU + war dabei eines von fünf Modellen zur Vergabe von Gesamtleistungsmandaten. «Es hat sich gezeigt, dass Gesamtleistungsmodelle für Einspurtunnel, Neubaustrecken oder bei Vollsperrungen sinnvoll sind, weil der laufende Bahnbetrieb möglichst keine Auswirkungen auf den vom Gesamtleister vorgesehenen Bauablauf haben darf», so Thomas Zieger, Gesamtprojektleiter Bözbergtunnel. Aus seiner Sicht hat die Vergabe der Bauleistungen als Gesamtpaket vor allem folgende Vorteile:

  • Reduktion der Anzahl Vertragsnehmer
  • Verringerung der Eigenleistungen bei der SBB-Projektleitung 
  • Reduktion von Schnittstellen und damit verbundenen Risiken
  • Gewinn von Synergien und damit Kosten- und Zeiteinsparungen infolge der Zusammenlegung von Planungs- und Realisierungs-Know-how
  • schnellere Projektrealisierung durch die Bündelung der Prozesse beim Hauptunternehmer
  • Wirtschaftlichkeit der Angebote durch den frühzeitigen Einbezug von Unternehmervarianten

Als Nachteile sieht Zieger, dass dieses Vertragsmodell eine grössere Vorleistung der SBB-Projektleitung zur Festlegung von Projektanforderungen, Rahmenbedingungen und Standards mit sich bringt und dass es nicht so viele Anbieter gibt, die diese Gesamtleistung überhaupt erbringen können.

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