Kinotipp «Erde»: Die Wunden des Planeten

Teaserbild-Quelle: Geyrhalterfilm
Die Wunden der Erde

Der Mensch prägt die Erde: Er verändert Landschaften, indem er sie planiert und aufschüttet, indem er Tunnels gräbt, Marmor abbaut und in Minen Erze gewinnt. Davon erzählt Nikolaus Geyrhalter in seinem Dokumentarfilm, der dieser Tage in den Schweizer Kinos angelaufen ist.

Quelle: 
Geyrhalterfilm

Der Mensch formt und verändert die Landschaft: Baustelle in Kalifornien.

Umgeben von Staubwolken defilieren sie vorbei und erscheinen beinahe als Ballett in der wüstenartigen Landschaft: die Bagger der Grossbaustelle im kalifornischen San Fernando Valley. Damit hier Städte errichtet werden können, muss der Grund zuerst einmal bearbeitet werden. Die Bauleute formen die Topographie sozusagen neu, indem sie sie Hügel abtragen. «Wenn Dich ein Mädchen in der Bar fragt, was du beruflich machst und du ihr ehrlich antworten kannst ‚ich versetze Berge‘ – dann wird sie zunächst skeptisch sein», sagt Bauleiter Trent Wells. «Aber es ist wahr. Wir versetzen Berge. Wir verändern Hektar für Hektar, Meile für Meile die Form des Bodens.»

Solche Geschichten erzählt der österreichische Dokumentarfilmer Nikoloas Geyrhalter in seinem neusten Werk «Erde», das letzte Woche in den Schweizer Kinos angelaufen ist. Geyrhalter will zeigen, wie der Mensch die Erde verändert. Das Thema habe ihn schon lange beschäftigt, vor allem auch im Zusammenhang mit dem Begriff des Anthropozäns, das ein neues Erdzeitalter bezeichnet, in dem der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf dem Planeten geworden ist. Einer der wesentlichen Aspekte dieses Konzepts dabei sei der geologische. Demnach verschiebe der Mensch wesentlich mehr Erdoberfläche als die Natur, so der Regisseur. Die Erdoberfläche sieht er als Haut des Planeten. «Ich wollte mir die Wunden genauer ansehen, die wir der Erde zufügen.» Und so war er neben der Baustelle in Kalifornien auch auf Tunnelbaustellen im Gotthard und im Brenner unterwegs, besuchte die Marmorsteinbrüche von Carrara, sah sich in Kupferminen am spanischen Rio Tinto um, aber auch im ehemaligen Salzbergwerk im deutschen Wolfenbüttel.

Auch wenn der Film zum Nachdenken anregt und viele Fragen über den Umgang mit der Natur aufwirft, Protagonisten wie Bau- und Bergleute will er damit kaum treffen. «Auf keinen Fall ging es mir darum, die Leute, die dort arbeiten, zur Rechenschaft zu ziehen, ihnen ist am wenigsten Verantwortung zuzuschreiben», so Geyrhalter. «Die Menschen reflektieren sehr stark darüber was sie tun. Das hat mich in gewisser Weise überrascht und auch beruhigt.» (mai)

Trailer zum Film.