Grundstein von Schloss Neuschwanstein entdeckt

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Der Grundstein von Neuschwanstein

Einst grössenwahnsinniges Bauprojekt und heute Touristenmagnet: Schloss Neuschwanstein im Allgäu. Auch wenn der Bau der Anlage gut dokumentiert ist - wo ihr Grundstein liegt, war bislang nicht klar. Mittels Kriminaltechnik konnte er nun gefunden werden.  

Neuschwanstein
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Das Märchenschloss von Ludwig II von Bayern: Neuschwanstein.

Wie die Wirklichkeit gewordene Illustration aus einem Märchenbuch thront Schloss Neuschwanstein über Hohenschwangau. Allerdings stammen seine Mauern nicht aus längst vergangenen Zeiten. Denn auch wenn die Anlage über den Überresten einer kleinen mittelalterlichen Burg liegt, so ist der Grundstein des Schlosses erst 1869 gelegt worden.

König Ludwig II. von Bayern wollte die Anlage „im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen“ erbauen, wie er dem von ihm verehrten Komponisten Richard Wagner in einem Brief erzählt hatte. Doch während der Bauarbeiten mauserte sich die ursprünglich vorgesehene, vergleichsweise bescheidene Ritterburg im Zuge der steigenden Ansprüche Ludwigs II zum Projekt der Verschwendung und der Superlative. Als das Schloss bezogen werden konnte, war es eine Architektur gewordene Hommage an die Opern Wagners wie „Lohengrin“ und „Tannhäuser“. Das einst geplante Gästezimmer war zum maurischen Saal geworden, das Audienzzimmer hatte sich in einen prächtigen Thronsaal verwandelt und das Schreibzimmer hatte der prunkverliebte König als Grotte gestalten lassen.  Heute ist Neuschwanstein einer der berühmtesten Touristenmagnete Deutschlands.   

Auch wenn seine Entstehung gut dokumentiert ist, wo der Grundstein des Schlosses genau verbaut worden ist, war bis vor kurzem nicht bekannt. Lediglich, dass er eine Metallkapsel mit dem Bauplan, Münzen und ein Portät Ludwigs II. enthält, war klar. Das Geheimnis gelüftet haben Rainer Dwello von der Universität Bamberg und ein Team von Bauforschern – mittels kriminaltechnischer Methoden im Auftrag der Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung (BSV).

Georadar, Metalldetektor und Röntgen

Mit Hilfe eines 3D-Scanners fertigten sie Pläne der Innen- und Aussenseite des sogenannten „Ritterbades“ an. Ludwig II hatte einst ein  Bad vorgesehen, das an das rituelle Bad der Gralsritter erinnern sollte, es ist aber nie realisiert worden. Heute führt dort eine Besuchertreppe zum Ausgang. – Die Wissenschaftler kombinierten nun den bestehenden Plan der Aussenseite mit dem neuen Plan der Innenseite als 3D-Scan. Hier hatte Uwe Schatz, Leiter der BSV und Initiator der Suche, den Grundstein vermutet.

Nachdem die Pläne fertig gestellt worden waren, suchten die Bamberger Wissenschaftler nach Möglichkeiten, den Grundstein inklusive der Metallkapsel im Mauerwerk zu lokalisieren. „Zur genauen Verortung des Grundsteins kamen mit dem Georadar, einer Metalldetektion der Kapsel durch Elektromagnetik oder das Durchröntgen der Mauer drei verschiedene Methoden in Frage“, zitiert die Medienmitteilung der Universität Bamberg Dwello. Da man aber mit Ausnahme des Georadars nicht über „das sehr spezielle Instrumentarium“ verfügt habe, habe man auf Anraten der Kriminalpolizei Bamberg um Hilfe beim Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) in München ersucht. Und so kam es, dass Spezialisten des  BLKA, die sich normalerweise um die Entschärfung von besonderen Spreng- und Brandvorrichtungen kümmern, bei der Suche nach dem Grundstein halfen.

Und so wurde das Gemäuer zunächst geröntgt: Spezialisierte Kletterteams vom BLKA und vom BSV montierten in über zehn Metern Höhe – vom Boden des Ritterbades aus gemessen – an der Aussenseite der Schlossmauer eine Metallplatte, die die Röntgenstrahlen aufnahm. Danach wurde die Suche mit Metalldetektor und ein Minensuchgerät fortgesetzt. Die beiden Geräte lieferten schliesslich die Antwort auf dem Frage nach dem Wo des Grundsteins. „Am Ende unserer Suche blieb eine Stelle hinter einem der Ziegel im Umfeld des sogenannten ‚Feierabendziegels‘, der mit 1869 datiert ist, übrig“, sagt Dwello. „Die Kapsel des Grundsteins haben wir dort in einer Tiefe von etwa einem bayerischen Fuss, also circa 30 Zentimeter, verortet.“ 

Ans Licht gebracht und geöffnet wurde die Kapsel jedoch nicht. Sie bleibt verborgen und veschlossen - aus denkmalschutztechnischen Gründen.  (mai)