Gesunde Gärten: Artenvielfalt statt statt perfekt grüner Rasen

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Gesunde, kunterbunte Gärten?

Chaotisch bunte Beete oder monochrom grün gepflegte Rasenfläche? Umso grösser die Pflanzenvielfalt in einem Garten, umso grösser der Erholungswert. Diesen Schluss zieht ein Forscherteam der Eidg. Anstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in einer Studie.

Biene bei der Honigsuche auf einer Blüte.
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Nicole Pearce, Unsplash

Gärten sorgen für mehr Artenvielfalt und mehr Insekten - zum Beispiel Bienen.

In den Städten tun Grünflächen nicht nur dem Menschen gut, sondern dienen der Pflanzen- und Tierwelt auch als wichtige Lebensräume und Verbreitungskorridore. Welche Rolle dabei private Gärten – oder vielmehr Haus- und Familiengärten –  spielen, ist bisher nicht untersucht worden.

«Wenn Stadtgärten sowohl gut für den Menschen als auch für die Biodiversität wären, hätten wir quasi eine ‘win-win’-Situation», sagt der Soziologe Christopher Young von der WSL, der gemeinsam mit dem WSL-Ökologen David Frey eine Umfrage dazu durchgeführt hat. In dieser befragten sie rund 300 Gärtner in der Stadt Zürich dazu, wie artenreich ihr Garten ist und wie erholt sie sich nach einem Aufenthalt in ihrem grünen Reich fühlen. Ein Teil der Teilnehmer pflegt Familiengärten, ein anderer Hausgärten.

Erholung in Familiengärten

Es zeigte sich, dass die grosse Mehrheit der Befragten ihren Garten als sehr erholsam empfindet. Das gilt vor allem für Familiengärtner. Dieser Umstand ist laut Young „ein starkes Argument“ dafür, Familiengärten zu erhalten und das Angebot aus- statt abzubauen. Hinzu kommt, dass Pächter von Familiengärten im Schnitt älter sowie sozial schlechter und in der Folge auch gesundheitlich weniger gut gestellt sind als solche, die einen Hausgarten ihr Eigen nennen. „Familiengärten zu erhalten könnte deshalb auch den sozialen Ungleichheiten bei der Gesundheit entgegenwirken“, so Young.

Ein knappes Sechstel oder 16 Prozent der Befragten gab an, dass der Garten oft Stress bedeutet. Allerdings waren darunter überwiegend Personen, die einen Hausgärten pflegen. „Ein Garten kann auch eine Belastung darstellen“, sagt Young. Diese Erkenntnis könnte in die Raumplanung einfliessen, indem Einfamilienhäuser kleinere Flächen erhalten und Gemeinschaftsgärten mehr Raum zugeschlagen wird.

Grosse Pflanzenvielfalt auf auf kleinen Raum

Des Weiteren stellten das Forscherteam einen positiven, wenn auch geringen Einfluss der Artenvielfalt auf die Erholung. Stadtbehörden könnten laut WSL also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie beispielsweise Empfehlungen, Kurse oder Saatgut für die Erhöhung der Artenvielfalt in Stadtgärten anbieten. Dies wiederum kommt auch der Natur zugute: „Stadtgärten haben häufig eine grosse Vielfalt an Pflanzen auf kleinstem Raum. Abwechslungsreiche Gärten bieten vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf, was sich positiv auf das städtische Ökosystem auswirkt“, sagt David Frey. Er hat dies in einer früheren Studie nachgewiesen.

Neben der Erholung leistet die Pflanzenvielfalt somit noch mehr – sie fördert bestäubende Insekten und andere Nützlinge, und verbessert die Bodenqualität. Freys Fazit: „Stadtgärten sollten daher einen festen Bestandteil der grünen Infrastruktur von Städten sein.“ (mai/mgt)