Flug um Flug zur grössten Bündner Photovoltaik-Anlage

Teaserbild-Quelle: Rhiienergie AG
Flug um Flug zur grössten Bündner Photovoltaik-Anlage

Die Fertigstellung des Solarkraftwerks Calinis in Felsberg GR rückt dank des Einsatzes eines Helikopters in greifbare Nähe. Die mit einer Fläche von rund 7400 Quadratmetern grösste Photovoltaik-Anlage Graubündens geht noch diesen Frühling ans Netz.

Helikopter fliegt Solarmodul vom Talboden in die Höhe.
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Rhiienergie AG

Die Fertigstellung der Photovoltaik-Anlage Calinis läuft auf Hochtouren: Am Talboden bei Felsberg GR wird ein Solarmodul nach dem andern vom Helikopter abgeholt.

Seit einigen Tagen kreist ein Helikopter über dem ehemaligen Steinbruch in Felsberg GR. Das Fluggerät steht im Einsatz für den Bau von Calinis, der grössten Photovoltaik-Anlage im Kanton Graubünden. Das Solarkraftwerk der Calanda Solar AG wird noch in diesem Frühling in der Felsberger Steinbruchbrache fertiggestellt. Ab dann soll es jährlich eineinhalb Gigawattstunden erneuerbaren Strom für die Menschen der Region liefern.

«Diese Menge reicht theoretisch aus, um rund 400 Haushalte aus unserem Einzugsgebiet mit Strom zu versorgen», freut sich Markus Feltscher, VR-Präsident der Calanda Solar AG. Faktisch wird der Solarstrom in das Netz der Rhiienergie AG eingespeist und kommt damit allen Versorgungsgemeinden zu gut. Denn die Bündner Gemeinden Rhäzüns, Bonaduz, Tamins, Domat/Ems und Felsberg, welche Hauptaktionäre des Energieversorgungsunternehmens mit Sitz in Tamins sind, werden künftig mindestens die Hälfte ihres gemeindeeigenen Stroms vom Kraftwerk am Fusse des Calanda-Gebirgsmassivs beziehen.

Helikopter transportiert PV-Modul zum Zielort.
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Rhiienergie AG

Per Lufttransport geht es hinauf ins schwer zugängliche Gelände der aufgeschütteten Steinbruchbrache.

Montage in steilem Gelände

Aufgrund der Hangneigung und dem damit verbundenen erschwerten Zugang ist der Einsatz eines Helikopters notwendig. Und so stehen dieser Tage vorfabrizierte Traggestelle mit vormontierten Solarmodulen in der Zufahrt zur Solaranlage und warten auf den Lufttransport. Mithilfe des Helikopters werden die einzelnen Photovoltaik-Komponenten und deren Tragvorrichtungen an die richtigen Positionen im Steilhang geflogen.

Durch die Vorfabrikation und den Helikoptereinsatz ist die Montage um ein Mehrfaches einfacher und schneller, als wenn terrestrisch montiert würde. «Eine gute Ökobilanz bleibt trotz des Helikopters gewährleistet», versichert Urs Simeon als verantwortlicher Projektleiter bei der Fanzun AG. Doch der Einsatz eines Helikopters für den Transport bringt Herausforderungen für dessen Piloten mit sich. Denn die vorgefertigten Elemente am Haken bieten für den Wind eine grosse Angriffsfläche und erschweren so das Steuern.

Der Zufall will es, dass der natürliche Böschungswinkel des Schüttmaterials der idealen Neigung der Paneele für einen optimalen Solarertrag an diesem Standort entspricht. Das machte sich die Arbeitsgemeinschaft der Planeco GmbH und der Crestageo AG bei der Entwicklung des Ausführungskonzepts zu Nutzen. Für die Sicherung der Unterkonstruktion im Hang setzte man auf eine von Crestageo in Anlehnung an eine Lawinenverbauung entwickelte Spezialfundation.

Dank Aufschüttung zu Energie

Die Vorgeschichte des Solarkraftwerks umfasst beinahe 20 Jahre. Infolge des Jahrhundertfelssturzes im Jahr 2001 musste der Steinbruchbetrieb in Felsberg aus Sicherheitsgründen eingestellt werden, worauf Ideen zur Umnutzung gesucht wurden. Architekturstudenten der Fachhochschule Graubünden (vormals HTW Chur) entwickelten in einem Wettbewerb Gestaltungsideen.

Als Siegerprojekt ging in Anlehnung an den Felsberger Weinberg das Konzept «Energie statt Wyy» hervor, eine visuell an einen Weinberg erinnernde Aufschüttung in der landschaftlich unschönen Steinbruchgegend. Das Konzept fand in der Felsberger Bevölkerung Gefallen und so konnte in den Folgejahren das Steinbruchareal in ein Energieerzeugungsgebiet umgezont werden.

Für die Projektumsetzung waren nun Finanzierungspartner notwendig. Es gelang der Fanzun AG unter anderem mit Per Sandven den Investor der Gross-Phovovoltaik-Anlage in Muottas Muragl an Bord zu holen. Als die Finanzierung sichergestellt war, stand das Projekt vor der nächsten Herausforderung. Denn nun musste die beachtliche Menge von 270'000 Kubikmetern Schüttgut für die Böschung beschafft werden. Der beim Neubau des Kantonsspitals Graubünden in Chur anfallende Aushub bot sich als Lösung an. (gd/pd)

Zahlen und Fakten

Gesamtinvestition: CHF 2,3 Mio. (ohne Vorarbeiten und Schüttung)

Durchschnittlicher Jahresenergieertrag: 1'500'000 kWh

Leistung der Anlage: 1'500 kWp

Beteiligte Unternehmungen:

  • Calanda Solar AG (Aktionariat: Rhiienergie AG 70 %, Per Sandven 20 %, Bürgergemeinde Felsberg 10 %)
  • Fanzun AG
  • Crestageo AG
  • Planeco GmbH