Denkmalschutz: Das Erfolgsmodell der Ausserrhoder Haus-Analyse

Teaserbild-Quelle: Fredi Altherr

Appenzell Ausserrhoden verfügt über eine hohe Dichte an schützenswerten Bauten. Eine Beurteilung mittels Haus-Analyse hilft Eigentümern bei Fragen zum Erhalt, Aus- oder Umbau. Der Verband für Raumplanung Espace Suisse bietet das Beurteilungsinstrument allen Kantonen an.

Der Architekt und Denkmalpfleger Fredi Altherr erklärt bei einem Rundgang durch Herisau AR, dass der Anteil der Altbausubstanz im Ostschweizer Halbkanton schweizweit einmalig sei. "Dreimal höher als der Durchschnitt. Mehr als die Hälfte der Häuser wurde vor 1919 erbaut. Sie sind zum Teil 300 bis 400 Jahre alt." Wer investieren wolle, sehe sich zunächst mit begrenzten Möglichkeiten sogenannter Liebhaberobjekte konfrontiert.

Herausfordernde Fragen

Ein Ortsbild mit vielen schützenswerten Bauten fordert Eigentümer heraus. Es stellen sich Fragen um Fragen: Umbauen, anbauen, renovieren, sanieren? Was lohnt sich? Was ist finanzierbar, was überhaupt erlaubt? Welche Bewilligungen müssten eingeholt werden? Probleme finden sich in unterschiedlichen Bereichen: Die Innenräume sind für heutige Wohnbedürfnisse zu niedrig und zu eng, Schallschutz und Wärmedämmung ungenügend, es fehlen Balkone, Loggias und Parkplätze. Wer sein Eigenheim umbauen möchte, sei es zur Selbstnutzung oder Vermietung, braucht also zuerst professionellen Rat.

Die Appenzell Ausserrhoder Haus-Analyse, die im kantonalen Baugesetz integriert wurde, hilft Hauseigentümern bei ihren Entscheiden in Sachen Erhalt, Um- oder Ausbau (siehe Box "Schwerpunkte der Haus-Analyse"). "Sie informiert über den baulichen Zustand, notwendige Renovationen, energetische wie technische Verbesserungen, Nutzungsmöglichkeiten, Kosten und Renditen", fasst Altherr zusammen. "Nicht gratis, aber zu mehr als vorteilhaften Bedingungen." Die Kosten von 6000 Franken teilen sich in Appenzell Ausserrhoden Hausbesitzer, Gemeinde und Kanton.

Haus-Analyse macht schweizweit Schule

Das Modell hat sich über die Kantonsgrenzen hinaus bewährt. Das standardisierte Instrument der Haus-Analyse wird nun vom Verband für Raumplanung Espace Suisse schweizweit angeboten. Die Kantone Thurgau und Uri sowie die Regionen Toggenburg und Pruntrut JU arbeiten bereits mit. Auch Graubünden, St. Gallen und Schwyz wollen dem Erfolgsmodell folgen. Espace Suisse organisiert eintägige Einführungslehrgänge mit Fredi Altherr. (un/nsi)

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Schwerpunkte der Haus-Analyse

Die Haus-Analyse basiert auf einem einheitlichen Raster und wird von geschulten Fachpersonen erstellt. Sie umfasst:

  • Kurzbeschreibung der Liegenschaft samt baulichem Zustand
  • Analyse von Bausubstanz und Unterhalt
  • bei Bedarf: Überlegungen zur Vermietbarkeit
  • grobe Beurteilung der Energieversorgung, mögliche Nutzung sowie notwendige Anpassungen
  • mögliche Nutzung sowie dafür notwendige Anpassungen
  • Kostenschätzungen und mögliche Rendite
  • Abklärungen der Bewilligungsfähigkeit
  • provisorische Ermittlungen von möglichen Beiträgen / Unterstützungen
  • Skizzen, Fotos

Die Ergebnisse werden in einem standardisierten Bericht zusammengefasst und dem Eigentümer übergeben. Danach bestehen keine Architektur- und Handwerkerverpflichtungen. (un)