Dämmmaterial und Teppich aus Altkleidung

Teaserbild-Quelle: Andreas Hermsdorf, Pixelio.de
Dämmen mit Altkleidung

Von dem, was in der Kleidersammlung landet, ist ein Drittel beinahe unbrauchbar und kann nur noch als Putzlappen oder Reisswolle wiederverwertet werden. Nun haben Forscher der Hochschule Luzern mit Texaid Methoden entwickelt, mit denen sich unbrauchbare Textilien zu Garn und Vlies für Teppiche und Dämmstoffe verarbeiten lassen.

Kleider (Symbolbild)
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Andreas Hermsdorf, Pixelio.de

Ein grosser Teil gesammelter Kleider, schafft es nicht ein zweites Mal in einen Kleiderschrank. Ursache ist der anhaltende Trend zu Billigkleidern.

37‘000 Tonnen Altkleider kommen bei Texaid järhlich zusammen. Davon sind 30 Prozent der gesammelten Textilien in einem derart schlechten Zustand, dass sie nicht mehr weitergetragen werden können. Die Tendenz sei steigend, da der Trend hin zu billigen und billig produzierten Kleidern anhalte, schreibt die HSLU in ihrer Medienmitteilung. Um sie dennoch hochwertig rezkylieren zu können, haben Forscher der Hochschule Luzern zusammen mit Texaid Methoden entwickelt, mit denen die Altkleidung zu einem groben Garn versponnen werden kann, das sich gut für Teppiche eignet. Aus den kürzeren Fasern und aus dem Staub, der beim Reissen der Stoffe entsteht, stellten sie Materialprototypen her, die zur Schalldämmung genutzt werden können.

Prozesse analysiert, Anwendungen optimiert

Um textile Kreisläufe nachhaltig und ganzheitlich zu schliessen und für den Rohstoff aus Altkleidern neue aber auch höherwertige Verwendungen zu finden hat Texaid hat dafür das Projekt «Texcycle» ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen dem Altkleiderverwertungsunternehmen, der Hochschule Luzern und Coop, gefördert durch Innosuisse. Der Gedanke dahinter: Mit designgetriebener Forschung «die hochkomplexe Nachhaltigkeitsproblematik der textilen Kreisläufe neu anzugehen». Dafür mussten folgende Fragen beantwortet werden: Welche textilen Materialien liegen nach heutigen Sortiermöglichkeiten der Altkleideraufbereitung vor? Wie lassen sie sich auf welche Art und Weise neu verarbeiten? Wie könnte eine Produktepalette mit neu gewonnenen Materialien aus Alttextilien aussehen? 

Zunächst analysierten die Forscher die Prozesse der Altkleideraufbereitung und optimierten sie für neue Anwendungen. «Bisher werden die gesammelten Kleider nach Kleidungsart – zum Beispiel Männerhemd, Damenhose, Mantel – sortiert», erklärt Anna Pehrsson, Recycling-Spezialistin bei Texaid. Für eine bessere Weiterverwendung das Material der Kleidung eine grössere Rolle; jedoch wird nach diesen Kriterien gegenwärtig kaum getrennt.

Teppich statt Putzlappen

Zudem wird derzeit etwa ein nicht mehr tragbarer Pullover aus Baumwolle zu Putzlappen verarbeitet. Dies, obwohl sein Material in hochwertigen Produkten gefragt wäre. Das wollen die Forscher ändern. «Wir haben vorgeschlagen, sechs Materialkategorien einzuführen», sagt Brigitt Egloff, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Departement Design & Kunst. So liessen sich beispielsweise Produkte mit einem hohen Baumwollanteil gesondert sortieren. Denn je reiner ein Material ist, umso leichter lassen sich Weiterverwendungsmöglichkeiten finden. 

 

In der Wollspinnerei Huttwil AG wurden Materialien zu Faden versponnen. Dabei stellte sich heraus, dass die besten Resultate erzielt werden, wenn das widerverwertete Material aus den Altkleidern mit Wollabfällen aus der Spinnerei kombiniert wird. So lässt sich ein 100prozentiges Recycling-Garn herstellen und der grobe Faden zu Teppichen weiterverarbeiten. Erste Prototypen sähen vielversprechend aus, heisst es bei der HSLU.

Wenn Kleidung Schall dämmt

Auch die Designforscher der HSLU-Abteilung Design & Kunst und die Materialforscher des Departements Technik & Architektur können erste Prototypen vorweisen. Sie nutzten die kurzen Fasern zur Herstellung von Vlies. Das heisst, einer losen, nicht gewebten Verbindung von Fasern. Daraus entwickelten sie verschiedene Anwendungsmöglichkeiten als Dämmmaterialien. Diese können vor allem für die Schalldämmung von Innenräumen oder zum Dämmen von Fassaden verwendet werden.

Eine Schwierigkeit dabei: «Die technischen Anforderungen an Bauprodukte in der Architektur haben strenge Auflagen und Normen zu erfüllen. Gegensätzliches trifft bei Bekleidung oder textilen Ausstattungen zu», erklärt Materialforscherin Susanne Triller und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Departement Technik & Architektur. Damit das Material im Bau verwendet werden darf, muss bewiesen sein, dass es schadstofffrei ist und als nicht brandgefährlich zertifiziert werden kann.(mai/mgt)

Film der HSLU zum Projekt.