08:10 BAUPRAXIS

Dachsanierung am Volkshaus Zürich: Arbeiten wie im Steilhang

Geschrieben von: Michael Staub (ms)
Teaser-Quelle: Stefano Schröter

Diesen Frühling wurden die Dächer des Volkshauses Zürich umfassend saniert. Die Arbeit in den bis zu 46 Grad steilen Flächen verlangte den Dachdeckern einiges ab. Nach dem Einbau eines neuen Seilsicherungssystems wird die Arbeit in Zukunft um einiges einfacher.

Dach Volkshaus Zürich eingedeckt

Quelle: Stefano Schröter

Schlussspurt: Nach dem Eindecken werden auf dem Volkshaus-Dach die letzten Details bereinigt.

Das Volkshaus gehört seit über 100 Jahren zu den Zürcher Wahrzeichen. Gegründet als alkoholfreier Treffpunkt der Arbeiterschaft, wandelte sich der markante Bau am Helvetiaplatz im Lauf der Jahrzehnte zum kulturellen Hotspot. Heute ist das Lokal vor allem als Konzert- und Veranstaltungsort bekannt. Viele Musiker und Bands von Weltruf waren hier zu Gast, von Chuck Berry über AC/DC bis zu Metallica. Auch Rolf Steger, Projektleiter Bedachung/Spenglerei bei der Preisig AG, lernte das Volkshaus wegen der Musik kennen: «Etwa um 1977 besuchte ich hier mein erstes Konzert. Blondie spielte, ich fuhr mit meinem Töffli vor, das war eine grosse Sache.»

Von Blondie aufs Dach

Über 40 Jahre später konnte Rolf Steger nun dafür sorgen, dass viele weitere Konzerte im Volkshaus «am Schärme» stattfinden. Im Zug der diesjährigen Fassaden- und Dachsanierung des Volkshauses leitete er sämtliche Dachdecker- und Spenglerarbeiten. Die Ausmasse dieser Baustelle sind beeindruckend: «Die gesamte Dachfläche beträgt 1850 Quadratmeter. Nur ein kleiner Teil davon besitzt eine Neigung von ungefähr 26 bis 28 Grad. Bei der Hauptfläche sind es jedoch 46 Grad. Das ist wirklich sehr, sehr steil, auch für Profis, die das Arbeiten im Steildach gewohnt sind.» Kein Wunder: Wer auf dem Dach des Volkshauses arbeitet, befindet sich hoch über dem Boden. Die Menschen auf dem angrenzenden Helvetiaplatz wirken winzig klein, und wer den Ellenbogen etwas weiter ausfährt als gewohnt, stösst sogleich an die Dachlattung.

Im Schnitt waren 14 Mann auf der Baustelle tätig, als Projektleiter war Rolf Steger fast täglich vor Ort und schaute nach dem Rechten. Während der viermonatigen Bauzeit von März bis Juni wurde das bestehende, ohne Unterdach aufgebaute und kaum gedämmte Dach von der Ziegeloberkante bis zur Sparrenlage zurückgebaut. Teilweise bestehende Schalungen respektive Zwischenlattungen konnten belassen werden, auf den übrigen Flächen wurden sie ergänzt.

Die Dachhaut umfasste einerseits originale Biberschwanzziegel von 1910 respektive 1928, andererseits auch jüngere Ziegel, die einer Teilsanierung entstammen. «Nur in einem kleinen Bereich von ungefähr 300 Quadratmetern gab es überhaupt ein Unterdach. Wir haben deshalb im Zug der Sanierung auf der gesamten Dachfläche eine neue Unterdachbahn montiert. Auf diese folgen eine Belüftungsebene, die Konterlattung und schliesslich die neuen Ziegel», berichtet Rolf Steger

Strenge Auflagen

Wegen seiner städtebaulichen, sozialen und architektonischen Bedeutung steht das Volkshaus schon lange unter Denkmalschutz. Deshalb waren bei der Sanierung auch denkmalpflegerische Vorgaben einzuhalten, damit das Erscheinungsbild des vertrauten Gebäudes bewahrt werden konnte. So mussten Typ und Farbton der neuen Ziegel (Biberschwanzziegel «Casta» von ZZ) so genau wie nur möglich den alten Ziegeln entsprechen, die Höhen und Gestaltung der Dachkonstruktion durften nicht abgeändert werden, und sämtliche Spenglerarbeiten mussten durchwegs mit Kupferblech ausgeführt werden.

«Gleichzeitig haben wir, wo immer möglich, das heutige Handwerk und Know-how eingebracht. Die Meinung ist ja nicht, dass man so arbeitet wie vor 50 Jahren. Das Wissen und die Erfahrung haben sich gegenüber früher erweitert, und diese Erkenntnisse lässt man heute in die Sanierung einfliessen», sagt Rolf Steger. Wie bei Altbauten üblich, mussten die Handwerker mit einigen Überraschungen umgehen können. So betrug der Versatz zwischen Ziegelschicht und Sparrenlage an einigen Orten bis zu 15 Zentimeter. «Das Dach war eine Wundertüte», kommentiert Rolf Steger.

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