Brücken aus dem Orbit überwachen

Teaserbild-Quelle: Michele Ferraris, Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Scharfer Blick aus dem Orbit

Ein neuartiges Frühwarnsystem soll aus dem Orbit feststellen können, ob eine Brücke einzustürzen droht: Es kann Veränderungen an der Infrastruktur erkennen, die von blossem Auge nicht sichtbar sind. Hinter der Entwicklung steckt ein Team von Wissenschaftlern des Jet Populsion Laboratory der Nasa (JPL), der britischen Universität von Bath und der italienischen Weltraumbehörde.

Morandi-Brücke
Quelle: 
Nasa

Eine Aufnahme des "Cosmo SkyMed"-Satellits von der Morandi-Brücke, kurz bevor sie kollabierte. Die schwarzen Pfeile bezeichnen Bereiche, die sich im Laufe der Zeit verändert haben.

Die Forscher bildeten dazu mit Hilfe von Radarmessungen von verschiedenen Satelliten und Referenzpunkten die strukturellen Veränderungen an der Brücke ab – und zwar für die Zeit von 2003 bis zu ihrem Zusammenbruchs. Auf diese Weise und dank einem neuartigen Verfahren konnten sie Veränderungen im Millimeterbereich nachweisen. Dabei zeigte sich, dass es an der Fahrbahn neben dem eingestürzten Pfeiler der Brücke schon 2015 Anzeichen für Veränderungen gegeben hat. Zudem machten sich 2017 und 2018 noch deutlichere Veränderungen bemerkbar. Wie es in der Medienmitteilung der Nasa heisst, liess sich daraus schliessen, dass „mindestens ein Teil der Brücke“ statisch in einem schlechten Zustand gewesen sein muss.   

Ganzheitlicher Blick                 

Ihre Technik stelle eine deutliche Verbesserung gegenüber herkömmlichen Methoden dar, so JPL-Projektleiter Pietro Millilo im Science-Newsportal „EurekAlert!“ zitiert. Die üblichen Ansätze zur Überwachung von Brücken haben laut Millilo den Nachteil, dass sich mit ihnen nur ausgewählte Stellen eines Bauwerks kontrollieren lassen, wo auch Sensoren angebracht worden sind. „Unsere Methode erlaubt aber die Kontrolle der gesamten Infrastruktur und das beinahe in Echtzeit“, weiss Millo.  Zum Beispiel können so auch kritische Bewegungen von Gebäuden in Städten erkannt werden, wenn darunter zum Beispiel Tunnel für neue U-Bahnstrecken gegraben werden. „Bei solchen Projekten im Untergrund sind oft nur sehr wenige Messdaten vorhanden“, erklärt Giorgia Giardina von der Universität von Bath. „Unsere Methode könnte hier wichtige zusätzliche Informationen liefern und bestätigen, ob alles nach Plan läuft oder nicht.“ (mai/mgt)