Ausbau: Trafostation wird zu Wohnhäuschen

Teaserbild-Quelle: Kurt Brunner

Wohnen in einer ehemaligen Trafostation auf 65 Quadratmetern in drei Etagen. Klingt verlockend, brauchte jedoch zunächst eine ganze Menge guter Ideen und Liebe zum Detail. Die hat Kurt Brunner in das «Zaubertürmli» in Grenchen investiert.

Mit dem Zaubertürmli verhalte es sichwie mit Frauen, die solo seien, sich einen Partner wünschten, jedoch nicht nach ihm suchen würden, erklärt Kurt Brunner schmunzelnd: «Sie wollen gefunden werden.» Der pensionierte Unternehmer hatte das Transformatorenhäuschen am Bahndamm in Grenchen SO bereits vor Jahren entdeckt. «Eines von etwa insgesamt 2000 in der Schweiz, die grösstenteils nicht mehr in Betrieb sind», habe er herausgefunden. Das in Grenchen wurde 1914 erbaut und war bis Mitte der 1970er-Jahre in Betrieb. Als es nicht mehr gebraucht wurde, vermietete die Stadt es an einen Grenchner Zauberer mit Künstlernamen Orsani. Er richtete darin für seinen Zauberring ein einfaches Klublokal ein. Aus dieser Zeit dürfte auch die Eintragung im Grundbuch stammen: «Alte Trafostation, genannt Zaubertürmli».

Ein maroder Zweckbau

Als der Zauber vorbei war, geriet das Türmli in Vergessenheit. Und wurde nicht schöner. Da es als schützenswert eingestuft wurde, kam allerdings auch kein Abriss infrage, als ringsum
moderne Firmengebäude entstanden. So schrieb die Stadt das Trafohäuschen schliesslich zum Verkauf aus. Brunner erfuhr davon im Internet. Seine Chancen scheiterten jedoch am rigorosen Einspruch seiner Frau. Zunächst. Zwei Jahre später erfuhr er vom geplatzten Deal der Stadt mit einem anderen Interessenten. Nun stand für ihn fest: «Der da oben hat es für mich bestimmt.»

Aber das Objekt seiner Begierde hatte gelitten. Die Dachrinnen waren durchgerostet, teilweise nicht mehr vorhanden, die bröckelnde Fassade versprayt, die hölzerne Dachkonstruktion und auch die Fensterrahmen angefault. Das Innenleben erwies sich ebenfalls als wenig motivierend. Wer in die beiden oberen Stockwerke wollte, musste über wacklige Leitern klettern und dabei den Kopf einziehen. Es gab einen Kaltwasseranschluss und einen alten Holzofen.

Alles in allem ein maroder Zweckbau, aus dem Brunner in den vergangenen Jahren ein Schmuckstück gezaubert hat. Ohne Architekt. Dafür mit Visionen, Lebenserfahrungen und handwerklichen Kenntnissen. «In meiner Jugend habe ich Karosseriespengler gelernt. Ich kann also neue Karosserien aufbauen, Pläne lesen und interpretieren.» Kaufbedingung war, am Trafohäuschen aussen nichts zu verändern. Innen gewährte ihm die Stadt alle Freiheiten der Gestaltung. Das sei ganz in seinem Sinne gewesen. «Ich wollte eine Symbiose von alt-historisch und ultramodern.»

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