Humboldts Basislager am Antisana in 3D

Teaserbild-Quelle: Christophe de Houdetot, Bibliothek des Conseil d’État, Paris
Zeitzeuge am Fuss des Antisana

Am Fuss des Antisana, einem der höchsten Berge von Ecuador, liegt eine Hütte, die einst dem deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt als Basislager für die Besteigung des Vulkans gedient hat. Um sie für die Nachwelt besser erhalten zu können, hat man sie mittels „Structure-from-Motion-Verfahren“ vermessen.   

Antisana
Quelle: 
Don Henise, Flickr, CC

Eindrückliches Vulkan-Massiv: der Antisana.

Die Allee der Vulkane ist eine Reihe von Vulkanen in den Anden in Ecuador. Sie zieht sich über eine Strecke von rund 300 Kilometern zwischen Tulcán und Riobamba hin und umfasst 22 Vulkane. Ihr Name geht auf den deutschen Naturforscher Alexander von Humboldt zurück, der sie während seiner zweiten Südamerika-Expedition zu Beginn des 19. Jahrhunderts untersucht hat.

Unter anderem bestieg er dort den 6297 Meter hohen Chimborazo, den höchsten Berg des Landes, und schaffte es allerdings wegen einer unpassierbaren Felsspalte nur fast bis zum Gipfel.  Dennoch errang Humboldt damit einen Bergsteiger-Höhenrekord, der die kommenden 30 Jahre unübertroffen bleiben sollte. Ein nicht weniger eindrücklicher Vulkan, den Humboldt erklommen hat, ist der 5704 Meter  hohe Antisana, der sich rund 55 Kilometer östlich der Hauptstadt Quito mit seinen vergletscherten Gipfeln über der Landschaft erhebt.

Für dessen Besteigung hatte Humboldt am Fuss des Vulkans hat Humboldt eine historische Hütte auf einer Höhe von rund 4000 Metern als Basislager gedient.

Authentische Zeitzeugin

Die Berghütte gehört zu den wenigen authentischen Zeugnissen, die von Humboldts Anwesenheit in Südamerika geblieben sind“, sagt Bauforscher Tobias Arera-Rütenik von der deutschen Universität Bamberg. Er ist der Leiter eines Projekts der Universität, in dessen Rahmen das Haus mit Hilfe digitaler Denkmaltechnologien erfasst worden ist.

Die Wissenschaftler griffen dafür auf das sogenannte „Structure-from-Motion-Verfahren“ zurück. Mit diesem lassen sich Oberflächen dokumentieren und vermessen, sodass ein dreidimensionales Modell der Hütte in seiner Umgebung entstehen kann. Hierbei handelt es sich um einen automatischen Prozess, der die räumliche Struktur von Objekten mittels korrespondierender Merkmale in Bildern erkennt.

Berghütte, Visualiserung
Quelle: 
Universität Bamberg

Eine mit dem Structure-from-Motion-Verfahren“ erstelltes Abbild der Hütte.

Einerseits sollen die dabei gewonnen Erkenntnisse helfen, die Baugeschichte des mehrfach erweiterten und reparierten Gebäudes zu verstehen. „So können wir rekonstruieren, welchen Zustand es zu Humboldts Zeiten hatte“, erklärt Arera-Rütenik. Auch interessieren sich er und seine Kollegen für die Bautechniken, die auf Bautraditionen der Andenregion zurückgehen.

Andererseits sollen die gewonnen Erkenntnisse gemäss Medienmitteilung der Universität den Verantwortlichen in Ecuador helfen, an dem Bau "behutsame Reparaturen" durchzuführen und damit den Erhalt des Denkmals für die Zukunft zu sichern. Schliesslich ist die Umgebung des Gebäudes harsch. Dies liegt nicht nur am rauen Bergklima und sondern auch an der seismischen Aktivität in der Region oder vielmehr an kleinen Erderschütterungen, die die Bausubstanz in Mitleidenschaft ziehen können. (mai)