Wirtschaftsprofessorin Bütler: «Ausbau der Kurzarbeit wäre der falsche Weg»

Teaserbild-Quelle: Silva Maier

„Ein Ausbau der Kurzarbeit wäre der falsche Weg", sagt Monika Bütler, Wirtschaftsprofessorin an der Universität St. Gallen (HSG), gegenüber Zeitungen der CH-Media. Die Ökonomin, die auch Mitglied der Coronavirus-Taskforce des Bundes ist, spricht sich gegen eine Verlängerung der Kurzarbeit in der Schweiz aus.

„Sonst würden Wirtschaftsstrukturen zementiert werden, die ohnehin nicht länger haltbar sind.“ Der Staat solle in erster Linie Individuen retten, nicht Firmen. Unternehmen, die zum Entscheid kommen, dass eine Restrukturierung nötig ist, warten laut der HSG-Wissenschaftlerin damit ohnehin kaum zwölf Monate zu.

Ansatzpunkte sieht sie eher bei Investitionen in die Weiterbildung von Arbeitnehmern, sodass diejenigen, die eine Stelle verlieren, bessere Chancen haben. Einem weiteren Ausbau des Sozialstaates erteilte sie grundsätzlich eine Absage: „Wir haben im internationalen Vergleich bereits stark ausgebaute Sozialversicherungen. 20- bis 60-Jährige sind relativ gut abgesichert.“ Eine Lücke ortet sie allenfalls bei älteren Arbeitnehmern, die ihre Stelle verlieren und wenig Chancen haben, wieder eine Stelle zu finden.

Bei der Schuldenbremse sieht Bütler keinen Anpassungsbedarf. Sie verweist auf einen Passus, der es erlaubt, die Rückzahlung von Schulden zu verlängern, „statt sie über sechs Jahre abzubauen, beispielsweise über 15 Jahre.“

Wie sie weiter gegenüber den CH-Media-Zeitungen erklärt hat es in der Coronavirus-Taskforce keinen Graben zwischen Gesundheits- und Wirtschaftsvertretern gegeben. „Es zeichnete sich relativ schnell ab, dass nicht primär die staatlichen Massnahmen entscheidend dafür sind, wie gravierend die Wirtschaftskrise wird - sondern das Verhalten der Menschen, die Verbreitung des Virus, sowie die Situation im Ausland.“ (mai/sda)