Termindruck: Drei von vier Bauarbeitern leiden unter Stress

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Termindruck: Drei von vier Bauarbeitern leiden unter Stress

Fast drei Viertel der Bauarbeiter leiden unter Stress wegen des steigenden Termindrucks auf dem Bau. Das hat eine Umfrage der Gewerkschaft Unia bei 12'000 Bauarbeitern und Polieren ergeben.

Harte Arbeit auf Baustelle
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Unter Stress auf dem Bau leiden Gesundheit und Arbeitssicherheit.

Der Termindruck auf dem Bau sei eine wachsende Gefahr, schreibt die Gewerkschaft Unia. Grobe Baumängel und überlastete Arbeiter seien die Folgen. Im Schnitt sterbe alle zwei Wochen ein Bauarbeiter bei einem Arbeitsunfall – oft ausgelöst durch Zeitdruck und Hektik.

Die Unia wollte von den Betroffenen wissen, wie sie den Termin- und Zeitdruck auf dem Bau beurteilen. Im Sommer und Herbst 2019 befragte sie Bauarbeiter und Poliere. 12'000 nahmen an der Umfrage teil. Das sind rund 15 Prozent aller Bauarbeiter in der Schweiz.

55 Prozent sehen Gesundheit gefährdet

Nach der Einschätzung von 78 Prozent hat der Termindruck auf den Baustellen in den letzten Jahren zugenommen. 73 Prozent erklären, dies führe zu mehr Stress. 68 Prozent geben an, der steigende Termin- und Zeitdruck wirke sich negativ auf ihr Leben ausserhalb der Arbeit aus. Für 55 Prozent leidet die Gesundheit, für 52 Prozent die Qualität der Arbeit und für 52 Prozent die Arbeitssicherheit.

Die Unia wollte auch von den Polieren wissen, wie sich der Druck auf sie auswirkt. Denn als Baustellenverantwortliche sind gerade die Poliere besonders betroffen, wenn es um Termin- und Zeitdruck geht. Knappe Termine belasten 81 Prozent der befragten Poliere. 83 Prozent sind der Meinung, dass die Bauherren zunehmend unrealistische Termine verlangen. Selbst wenn sich der Baubeginn verzögere, würden die Endtermine nicht verschoben, sagen 78 Prozent.

Arbeitssicherheit kommt zu kurz

88 Prozent der Poliere wünschen sich, dass die Bauherren und Bauleitungen sie bei der Terminplanung stärker miteinbeziehen. Fehlende Ressourcen seien ein Problem, um die Termine ohne Überstunden und Samstagsarbeit einzuhalten, erklären 64 Prozent. 66 Prozent der Poliere geben an, dass Termine manchmal während des Bauens vorverschoben werden. Für 61 Prozent kommt die Arbeitssicherheit wegen des Termindrucks zu kurz.

Unia verlangt Zeitpuffer

Für die Gewerkschaft ist klar: Termine müssten – wo technisch möglich – ohne Nacht- und Wochenendarbeit eingehalten werden können. Für unerwartete Ereignisse müsse bei jeder Planung ein Zeitpuffer eingeplant werden.

Und der Termindruck dürfe nicht auf Kosten der Gesundheit der Bauarbeiter gehen: Bei gefährlichem Schlechtwetter oder extremer Hitze müsse die Arbeit eingestellt und der Endtermin nach hinten verschoben werden. Laut der Gewerkschaft braucht es auch Verbesserungen bei den Arbeits- und Reisezeiten, die im Landesmantelvertrag (LMV) geregelt sind. (mgt)

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage sind hier zu lesen.