08:04 BAUBRANCHE

Luftreinhaltung in München: Schwarze Würfel für weissblaue Luft

Teaserbild-Quelle: Anke Nölscher

In München werden an einer der Hauptverkehrsadern stetig die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten. Nun wird mit aufwendigen Filteranlagen versucht, gegenzusteuern. In der Hoffnung, dass sie nur eine Übergangstechnologie sind.

Filter Cubes Luftfilter München

Quelle: Anke Nölscher

Je drei «Filter Cubes» werden zu einem Turm aufeinander gestapelt. Mit ihrer Filterleistung sollen sie die Stickstoffdioxid-Werte an der Landshuter Allee unter den EU-Grenzwert drücken.

Die schlechteste Luftqualität an Deutschlands Strassen findet man an der Landshuter Allee in München. Sie ist Teil des Mittleren Rings, der den Autoverkehr um die Innenstadt führt, einer Hauptverkehrsader der bayerischen Landeshauptstadt. Bislang fand man schlechteste Luft zuverlässig bei den Stuttgartern. Mittlerweile nimmt München den Spitzenplatz ein. Bis zu 130 000 Fahrzeuge am Tag passieren die Landshuter Allee, eine der Hauptverkehrsadern von München.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt lässt wissen, dass der bestehende EU- Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) dank ständig verbesserter Fahrzeugtechnik und wirksamerer Katalysatoren zuverlässig an 46 der 47 Messstationen in Bayern deutlich unterschritten werde.

Die einzige Ausnahme ist die Messstation Landshuter Allee. Hier wird der Luftqualitätsgrenzwert für Stickstoffdioxid im Jahresmittel immer noch überschritten. Dieser EU-Grenzwert liegt seit dem Jahr 2010 bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. An der Landshuter Allee lag der Jahresmittelwert im Jahr 2020 noch bei 54 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. 

Auch Lockdowns halfen nicht

Und das trotz zwei Lockdowns, die das Verkehrsaufkommen teils bis auf die Hälfte des Üblichen reduzierten. 2021 war der Wert auf 51 Mikrogramm gesunken, war also nach wie vor zu hoch. 2010 lag der NO2-Wert noch bei 99, 2015 noch bei 84 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Er sank auch weiterhin Jahr für Jahr. Nur nie auf das erlaubte Mass.

Der Landesbeauftragte des Bundesarbeitskreises Verkehr im Bund Naturschutz, Richard Mergner, formulierte schon 2018 nach Bekanntgabe der damaligen Messwerte plakativ: «Die heute veröffentlichten Daten zeigen, was von Umweltverbänden seit Jahren angeprangert wird. Münchner Luft ist nicht weiss-blau, sondern grau und gesundheitsgefährlich. Die Staatsregierung hat über Jahre die Gefahr für Gesundheit und Umwelt in allen bayerischen Grossstädten verharmlost und ist tatenlos geblieben.» Der dauerhafte Verstoss gegen EU-Standards zwingt die Stadt München, sich dringend etwas einfallen zu lassen. Andernfalls droht Ärger aus Brüssel.

Hinweis auf andere Schadstoffe

NO2  wird besonders aufmerksam beobachtet, da es zusätzlich zu seiner gesundheitsschädigenden Wirkung auch auf andere Luftschadstoffe hinweist. Denn es entsteht vor allem durch Verbrennungsprozesse in Industrie oder Verkehr. Daneben kann es auch durch luftchemische Prozesse aus Vorläuferschadstoffen entstehen.

Die schlechten Münchner Messwerte haben auch mit der Platzierung der vom Bayerischen Landesamt für Umwelt seit Jahrzehnten bewusst an dieser Stelle betriebenen Messstation zu tun. Die Landshuter Allee ist auf Höhe der Messstelle achtspurig und beidseitig mit einer Mischnutzung dicht bebaut. Sie behindert die Luftzirkulation zusätzlich.  

«Die Station ist wohlweislich an einem Ort platziert, der besonders problematisch ist: In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Busstation, an der die städtischen Dieselbusse abbremsen und beschleunigen. Grossen Einfluss hat auch der Ausgang eines Strassentunnels, aus dessen Richtung der Wind Richtung Messstelle weht. Ausserdem scheinen Strömungen vorzuherrschen, die die Schadstoffe auf einer Strassenseite konzentrieren», erklärt Atmosphärenchemikerin Anke Nölscher von der Uni Bayreuth.

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