08:12 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Zeit für Wünsche

Geschrieben von: Regina Gorza
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Regina Gorza, Geschäftsführerin von Baukader Schweiz, mit den Sorgen und Anliegen der Poliere.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Wenn sich das Jahr langsam dem Ende zuneigt und Weihnachten naht, ist es spätestens Zeit für das Mitarbeitergespräch. Zeit für die Arbeitgeber, Danke zu sagen und ihre Anerkennung für das Geleistete auszudrücken. Vor allem aber auch Zeit ihren Mitarbeitenden zuzuhören, ihre Anliegen aufzunehmen und über eine allfällige Veränderung der Arbeitsbedingungen zu sprechen.

Die befürchtete Corona-Krise ist in der Bauwirtschaft ausgeblieben. Zum Glück. Die Auftragsbücher sind gefüllt, es herrscht Vollbeschäftigung und entsprechend viel Arbeit gibt es. Gefragt sind einmal mehr die Baukader als Schlüsselpersonen auf dem Bau. Sie wirken als Verbindungspersonen zwischen dem Baustellenpersonal, den Auftraggebern und den Planern.

Im Herbst 2021 hat der Schweizerische Baumeisterverband eine landesweite Umfrage lanciert, um die grössten Sorgen und Anliegen der Poliere aus allen Landesteilen abzuholen. 563 Poliere haben daran teilgenommen. Die Ergebnisse sollten die Arbeitgeber aufhorchen lassen. 92 Prozent der Befragten geben an, dass sie unter zu hohem Zeitdruck stehen.

Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von ungenügender Planung im Vorfeld bis zu einem intensiven Preisdruck, aufgrund dessen ein Bauprojekt in kurzer Zeit mit wenig Personal zu realisieren ist. Der Termindruck steigt dadurch zunehmend. Weiter geben die Studienteilnehmer an, dass sie häufig mit ungenügend qualifizierten Leuten an vor- oder nachgelagerten Stellen (Stufe Bauführer, Maurer, Strassenbauer EFZ) zusammenarbeiten müssen. Die Qualität des Bauwerks muss aber trotzdem stimmen.

Jeder fünfte Polier würde laut Umfrage gerne sein Arbeitspensum auf 80 Prozent reduzieren. Ein Wunsch der in der heutigen Zeit, da es vielfältige Familienmodelle gibt, absolut verständlich ist. 60 Prozent aller Poliere möchten zudem ihren Berufsalltag flexibler gestalten.

Gute Poliere sind heute gesucht. Dass der Baubranche ein Fachkräftemangel droht, ist nichts Neues. Entsprechend sind Politik und Baumeisterverband daran, mit dem Masterplan 2030 die Grundlagen für die Ausbildung und die Prüfung der Baupoliere – wie für die Bauvorarbeiter und Bauführer – zu modernisieren und an die aktuellen Anforderungen in der Baustellenrealität anzupassen. Das ist gut so. Wichtig ist aber auch, den Polieren Sorge zu tragen, die heute bereits im Berufsleben stehen. Hier gilt es zu vermeiden, dass sie aufgrund des steigenden Drucks ausbrennen oder gar frustriert den Beruf wechseln.

Das Jahresgespräch mit den Mitarbeitenden bietet Raum, genau solche Dinge anzusprechen. Baumeister, die heute bereits überlegen, wie sie auf die Bedürfnisse ihrer Poliere besser eingehen, haben gute Karten, ihre guten Baupoliere zu halten und als attraktiver Arbeitgeber zu gelten. Die gewünschte Flexibilität ist vermutlich nicht immer möglich. Die Lösungsansätze sollten die Arbeitgeber mit ihren Baukadern entwickeln.

Auch an Weihnachten gehen nicht alle Wünsche in Erfüllung. Aber es ist definitiv die richtige Zeit, um Wünsche anzumelden und sich solche als Arbeitgeber auch anzuhören.

Geschrieben von

Geschäftsführerin von Baukader Schweiz.

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