08:06 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Warum es ohne Beton nicht geht

Autoren: Peter Wellauer
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Peter Wellauer, Geschäftsführer der Betonsuisse Marketing AG, mit der Rolle des Betons beim nachhaltigen Bauen.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Das Bauwerk Schweiz besteht aus rund 3200 Millionen Tonnen Baumaterial, der Hauptanteil von zirka 70 Prozent ist Sand, Kies und Beton. 84 Prozent des jährlichen Abfallvorkommens von 80 bis 90 Millionen Tonnen fallen aufgrund des stetigen Erneuerungsprozesses im Bauwesen an. Von den rund 74 Millionen Tonnen Bauabfall sind 57 Millionen Tonnen Aushub- und Ausbruchmaterialien. 17 Millionen Tonnen werden heute wiederverwendet.

Der Verbrauch von Rohstoffen ist gewaltig. Wir leben heute so, als ob wir drei Erden zur Verfügung hätten. Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, ist die Frage, ob jetzt Holz oder Beton der richtige Baustoff ist, zu kurz gesprungen. Die Branche, ja eigentlich die ganze Gesellschaft, muss umdenken und sich neu orientieren. Die Zeiten, in welchen 1000 Quadratmeter pro Einfamilienhaus die Regel war und mit hohen Sicherheitsmargen möglichst dick und mächtig gebaut wurde, sind vorbei.

Wenn wir unser Bauwerk Schweiz Zug um Zug nachhaltig unterhalten und erneuern wollen, müssen wir Prozesse und Materialien neu ausrichten, sprich: intelligenter bauen, Strukturen weiter nutzen, Kreislaufwirtschaft fördern. Um Beton kommen wir dabei nicht herum.

Anfangen müssen wir bei den Regelwerken wie Bauvorschriften und Normen. Unsere Architekten und Bauingenieure sollen die Möglichkeit erhalten, mehr aus weniger zu machen. Eine Bauparzelle muss beispielsweise höher ausgenützt, ein Bauobjekt einfacher umgenutzt und ein intelligent konstruiertes Bauteil schlanker ausgeführt werden können. Schon im Planungsprozess ist sicherzustellen, dass aus jedem Rohstoff mehr herausgeholt und er sehr einfach und viel effizienter immer wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird.

Dabei unterstützen uns neue Technologien. Die Digitalisierung schafft auch hier vielversprechende Möglichkeiten. So kann sich jeder Bauherr in einem sehr frühen Baustadium mit Building Information Modeling (BIM) und der virtuellen Realität Übersicht und Klarheit zur Ausstattung, zu Kosten und zur Ausführungszeit seines Bauvorhabens verschaffen.

Ausserdem hat er die Möglichkeit, mit neuen oder neu genutzten Ausführungstechniken wie 3D-Druck und digital unterstützter Vorfabrikation den Bauprozess zeitlich und in Bezug auf den Materialverbrauch maximal zu optimieren.

Der Baustoff Beton bietet, gerade weil er bereits zum Grossteil im vorhandenen Bauwerk steckt, aber auch weil er als flüssiger Stein so flexibel einsetzbar ist und immer wieder zurückgewonnen werden kann, unendlich viele Möglichkeiten. Eine Optimierung der Lebensdauer des Bauwerks mit Beton als Basis und das einfache Realisieren von Umbauten und Umnutzungen zeichnen ihn als besonders nachhaltigen Baustoff aus.

Ein Blick in die nahe und etwas weitere Zukunft mit den Techniken des roboterunterstützten Bauens und der Speicherung und Wiederverwendung von aufgefangenem CO2 aus der Zementproduktion eröffnen Beton noch nicht absehbare Chancen und Möglichkeiten. Das weltweit zweitmeistverwendete Material nach Wasser ist also ganz klar ein wesentlicher Bestandteil der Lösung unserer Umweltprobleme und einer nachhaltigen Bauzukunft.

Autoren

Geschäftsführer der Betonsuisse Marketing AG.

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