08:05 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Verändern statt bewahren

Geschrieben von: Martin Weder
Teaser-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Martin Weder, Direktor des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB), mit der Biodiversitätsinitiative.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

«Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahrt.» An dieses Zitat von Gustav Heinemann, Bundespräsident von Deutschland 1969 bis 1974, dachte ich, als ich die kürzlich eingereichte Biodiversitätsinitiative zur Kenntnis nahm. Sie will auf Verfassungsebene festlegen, dass alle schutzwürdigen Landschaften und Naturdenkmäler bewahrt werden. Alle diese Gebiete würden nach dem Willen der Initianten für alle Nutzungen einschliesslich des Kiesabbaus wegfallen.

Die Kies- und Betonindustrie versucht beispielsweise beim Schliessen der Stoffkreisläufe, beim Fördern der Biodiversität im Rahmen des Materialabbaus, beim Reduzieren der Emissionen in Produktion und Logistik unter Berücksichtigung der Anliegen der Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt zu einer Begrenzung des ökologischen Fussabdrucks beizutragen. Mit Ideen und Innovationen wollen wir gezielt verändern.

Kiesgruben sind nicht nur Lagerstätten von dringend benötigten Rohstoffen sondern auch Naturoasen. Pionierarten, welche eigentlich in Flussauen leben würden, besiedeln die Kiesgruben. Auch viele Tier- und Pflanzenarten unserer traditionellen Kulturlandschaften finden in Kiesgruben Lebensräume. Zum Überleben benötigen sie vegetationslose Tümpel, Ruderalflächen, unbesiedelte Steilwände und so weiter. Alles Lebensräume, welche nicht durch Bewahren, sondern durch Verändern zustande kommen.

Der Kiesabbau ist eine Ursache für dieses Verändern. Das Zitat von Gustav Heinemann bewahrheitet sich, denn ohne Kiesabbau, das heisst mit Bewahren statt Verändern, würde diese Biodiversität verloren gehen. Der Kiesabbau könnte gar nicht bewilligt und durchgeführt werden, da die Initiative das Bewahren a priori vorschreibt. Die schwergewichtigen Massenrohstoffe müssten zudem energieintensiv von weit her transportiert werden.

Mit Befriedigung stellen wir fest, dass der Bundesrat dieser extremen und pauschalen Initiative einen Gegenvorschlag gegenüberstellen will. Wir fordern ihn auf, dabei auf Verändern statt auf Bewahren und auf differenziertes Abwägen statt auf Pauschalisieren zu setzen. Der im Vernehmlassungsentwurf enthaltene quantitative Flächenanteil zur Bewahrung schutzwürdiger Landschaften und Naturobjekte gefährdet die nachhaltige Versorgung des Baus mit mineralischen Rohstoffen. Er führt dazu, dass aufgrund der Schutzbestimmung Anliegen, beispielweise bezüglich Arbeiten, Wohnen, Erholen, Mobilität, digitaler Kommunikation oder Rohstoffversorgung bei der Interessensabwägung auf der Strecke bleiben und die Transportwege sich deutlich verlängern, obwohl dies insbesondere bei mineralischen Rohstoffen ökonomisch und ökologisch widersinnig ist.

Zudem wird es schwieriger, Flächen für den Kiesabbau und damit auch für das Fördern der Biodiversität auszuscheiden. Die absolute quantitative Flächenbegrenzung ist deswegen zu ersetzen durch eine allumfassende Interessensabwägung, die in der Lage ist, sicherzustellen, dass das Fördern der einheimischen Tier- und Pflanzenarten wie auch das Nutzen der mineralischen Rohstoffablagerungen und alle anderen raumplanerischen Anliegen angemessen berücksichtigt werden. Zudem sind die Fachverbände und Branchenorganisationen insbesondere in die Planung des Materialabbaus zu integrieren, um zu gewährleisten, dass die Synergien zwischen Materialabbau und Natur gemäss den Anliegen der Wirtschaft, Bevölkerung und Umwelt wirksam ausgeschöpft werden.

Geschrieben von

Direktor des Fachverbands der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB).

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