08:02 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Mehr als eine Frage der Perspektive

Geschrieben von: Adrian Dinkelmann
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Adrian Dinkelmann, Geschäftsführer von Infra Suisse, mit dem neuen Beschaffungsrecht und der Ausbildung im Infrastrukturbau.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Anfang Jahr durfte ich die Geschäftsführung von Infra Suisse übernehmen. «Ein Perspektivenwechsel», höre ich dazu oft. Das ist es in der Tat: Vor meinem Start beim Verband der Infrastruktur-Bauunternehmen war ich unter anderem für die Umsetzung der Regionalpolitik des Bundes im Kanton Graubünden verantwortlich. Dennoch war der Kulturschock nicht so gross wie neun Jahre zuvor, als ich von der Privatwirtschaft in die Verwaltung wechselte.

Denn eines ist klar: Die wirtschaftliche und regionale Entwicklung kann sich nur dank zuverlässigen Infrastrukturen entfalten. Hinzu kommt, dass die öffentliche Hand im Infrastrukturbau eine besondere Rolle spielt: Sie ist Bauherrin, Betreiberin und Regulatorin zugleich.

Mit dem revidierten Beschaffungsgesetz Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) nehmen der Bund, die Kantone und die Gemeinden auch eine andere Perspektive ein. Die öffentlichen Vergaben sollen sich nicht mehr ausschliesslich nach dem Preis richten, so der Wille des Gesetzgebers. Der Paradigmenwechsel zum «vorteilhaftesten Angebot» spricht in der Theorie für mehr Qualität und die Berücksichtigung der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit.

Doch wie sieht es in der Praxis aus? Anlässlich unserer Infra-Tagung vom 20. Januar 2022 in Luzern nahmen wir genau diese Perspektive ein. Wir erfuhren, dass es an der Definition effektiver Handlungsfelder mangelt, weil zu wenig faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen bestehen. Und wir erhielten Einblicke in die Erfahrungen mit qualitativen Kriterien im Kanton Aargau.

Meine Erkenntnis: Die Rahmenbedingungen und die Instrumente wären vorhanden, sie müssen aber richtig eingesetzt werden. Dies hängt wesentlich davon ab, wie innovativ die Unternehmen sein dürfen und können. Hierbei sind praktikable Vergabekriterien gefragt. Das unternehmerische Know-how sollte unbedingt einfliessen.

Womit wir bei der dritten Bedeutung der Perspektive sind: Perspektiven für innovative junge Menschen. Ich gehe davon aus, dass bei einer Umfrage unter Jugendlichen die Berufsfelder des Infrastrukturbaus leider (noch) nicht zu den innovativsten gehören würden. Herausforderung angenommen! Ich durfte mich kürzlich mit den jungen Unternehmern von Swissloop Tunneling unterhalten. Infra Suisse unterstützte das Team, das letzten Sommer an Elon Musks «Not-A-Boring-Competition» teilnahm, als Goldpartner. Ich war fasziniert vom Spirit dieser jungen Menschen.

Hoffentlich werden dieses und viele weitere Beispiele die Jugend (und ihre Eltern) überzeugen, dass eine Ausbildung im Infrastrukturbau hervorragende Perspektiven bietet. Wir werden uns dafür einsetzen, dass unsere Branche auch in Zukunft attraktiv bleibt. Hierfür müssen wir uns jedoch mit den Anliegen der jungen Generation auseinandersetzen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, attraktive Arbeitsmodelle für Kaderpositionen sowie praxisorientierte Aus- und Weiterbildungen im digitalen Bereich sind nur einige Schwerpunkte unserer Arbeit. Ich glaube an die guten Perspektiven unserer Branche und freue mich auf die Zusammenarbeit!

Geschrieben von

Geschäftsführer von Infra Suisse.

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