08:04 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Konkurrenz oder Zusammenarbeit – was ist (Bau-)Kultur?

Autoren: Heinz Richter
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Heinz Richter, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich, mit dem Wert guter Zusammenarbeit.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Um den Auftrag fand eine harte Konkurrenz statt, gute Referenzen und vor allem ein wettbewerbsfähiger Preis waren entscheidend. Im Planerteam unter der Leitung des Architekten musste der Platz im Team verteidigt werden, um Platzansprüche, technische Lösungen und immer wieder um Kosten wurde hart diskutiert. Immer lag das Planungsteam mit den Kosten über den Erwartungen des Bauherrn. Ein externer Bauherrenunterstützer sorgte für den nötigen Druck und einen iterativen Konkurrenzkampf im Planungsteam, um die Kostenvorgaben einzuhalten.

Dann folgte die Ausschreibung der geplanten Arbeiten am Markt der ausführenden Unternehmen, und der Konkurrenzkampf erhielt neue Protagonisten. Auf der Baustelle schliesslich führten die Abweichungen zwischen der Realität auf der Baustelle und den noch so guten Plänen erneut zu Konkurrenzkämpfen. Die Planung und die Kostenprognosen mussten verteidigt, kostendeckende Nachtragsarbeiten sollten durchgesetzt werden. So geht das meist bis zum Schluss eines Bauvorhabens, und immer öfter folgt noch ein juristisches Nachspiel.

Beim Projektstart setzte sich der Architekt mit den Fachplanern zusammen und schilderte seine Vision des Entwurfs, er hörte sich von den Ingenieuren und Fachplanern Hinweise und Verbesserungsvorschläge an und berücksichtigte diese. Als der Entwurf dem Bauherrn vorgestellt wurde, war das Team vollständig anwesend, und jede Disziplin konnte ihren fachlichen Beitrag zum Ganzen vorstellen. Als der Bauherr das Projekt zur Ausführung freigab, wurde dies nach einer Sitzung im Planungsteam ausgiebig gefeiert.

Bei der Bauausführung wurden die ausführenden Unternehmer durch das Planungsteam in das vorliegende Planungsergebnis eingeführt, die Unternehmer hatten Zeit, Optimierungsvorschläge einzubringen. Der Bauleitung war es wichtig, dass die Gesamtleitung aus der Planung denselben Spirit auch in die Umsetzung überführen konnte. Probleme in der Umsetzung wurden rasch zwischen Planerteam und ausführenden Unternehmern gelöst, und am Ende wurde die Aufrichte mit einem Fest aller Beteiligten gefeiert. Den beteiligten Planern und ausführenden Unternehmern war klar: Nur durch kooperative Zusammenarbeit kann ein komplexes Vorhaben wie ein Bauwerk entstehen.

Ob wir die Geschichte um Planung und Bau eines Bauwerks als Konkurrenzkampf oder als Resultat guter Zusammenarbeit empfinden, entscheiden die beteiligten Menschen. Rituale, welche die Zusammenarbeit betonen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Ohne diese wird aus Zusammenarbeit leicht Konkurrenz und die Geschichte wird anstrengend statt inspirierend.

Diese Pandemie hat viele wichtige Rituale der Zusammenarbeit verunmöglicht, wir konnten zwar ohne grössere Unterbrüche weiterarbeiten und haben neue Wege gefunden, die Zusammenarbeit trotz der erschwerenden Umstände meist erfolgreich zu gestalten. Hoffentlich bleiben uns diese Anpassungsfähigkeit und vor allem das Gefühl für den Wert des «Zusammen-Arbeitens» wieder etwas bewusster erhalten. Was aus guter Zusammenarbeit entsteht, ist immer grösser als der Beitrag eines Einzelnen. Es lohnt sich, das regelmässig in Ritualen bewusst zu machen und als Teil der Baukultur zu erkennen.

Autoren

Dipl. HLK-Ingenieur HTL / FH, Vorstandsmitglied der Usic-Regionalgruppe Zürich.

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