08:01 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Keine Gelegenheit für Diebe

Geschrieben von: Benedikt Koch
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit dem hohen Stellenwert der Compliance in der Baubranche.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Das beschauliche Bergdorf Oberwies im Berner Oberland erlebt eine wilde Nacht. Da wird einerseits der Dorfpolizist Betsch tot aufgefunden. War das ein Unfall? Und andererseits gibt es einen Einbruch bei der Räber Bau AG. Wurde nur Bargeld gestohlen? Selbst wer die Auftaktfolge der vierten «Wilder»-Staffel noch nicht gesehen hat, ahnt als geneigter Krimifan, dass beide Fragen früh mit einem «Nei» im breitesten Berndeutsch beantwortet werden.

Während am ersten «Wilder»-Abend bei der Mörderjagd keine entscheidenden Indizien gefunden werden, enttarnen sich die Baustellendiebe gegenüber dem Fernsehpublikum nach wenigen Filmminuten: Es handelt sich um den Schmalspurganoven Rainer Strunz sowie den biederen Buchhalter der Räber Bau AG, Kurt Liechti.

Ausgerechnet dieser hatte die Idee zum Einbruch, bei dem es um mehr geht als um ein paar Geldscheine. Das kriminelle Duo hat es auf ein Notizbuch abgesehen, in dem Robert Räber, der Inhaber und Chef des Familien-KMU, über Jahre hinweg minutiös illegale Preisabsprachen mit anderen Unternehmen notiert hat. Insiderwissen, das Millionen wert ist  denken sich die Gauner und starten ihren Erpressungsversuch.

So spannend diese Handlung auch ist, so sehr gehört das Gedankenspiel der SRF-Krimiautoren ins Reich der Fiktionen. Auf dem Bau sind Submissionsabreden passé. Noch mehr als in anderen Wirtschaftszweigen spielt in der Baubranche eine fundierte Compliance eine grosse Rolle. Die Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien und freiwilligen Kodizes hat im Geschäftsalltag einen hohen Stellenwert eingenommen. So bekennen sich die Bauunternehmen ausdrücklich zum gesetzeskonformen und fairen Wettbewerb mit gleich langen Spiessen für alle Anbieter.

Was das im Klartext heisst, hat der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) in einem Leitfaden, dem «Code of Conduct», für seine Mitglieder festgehalten: Abreden mit Konkurrenten über Preise, Mengen und Gebiete sind untersagt. Auch Abreden mit Zulieferern oder Abnehmern über Mindest- und Fixpreise sowie absoluten Gebietsschutz werden nicht toleriert. Ebenfalls gilt: Vertrauliche Informationen, die den Wettbewerb beeinflussen können, dürfen nicht mit Konkurrenten, Lieferanten oder Kunden ausgetauscht werden.

Damit diese Grundsätze im Baustellenalltag auch wirklich gelebt werden  selbst in jedem WhatsApp-Chat muss man «sauber» sein  führt der SBV regelmässig Schulungen zur Compliance durch, dies in enger Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Mit einer konsequenten Einhaltung der relevanten Regeln gewinnen alle auf dem Bau. Ausser vielleicht Männer wie Strunz und Liechti, die vom grossen Geld träumen. Ihnen sei gesagt: Auf dem Bau kann man tatsächlich Geld verdienen  jedoch nicht mit Einbrüchen, sondern mit Kompetenz, Fleiss und Engagement.

Geschrieben von

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

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