08:04 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Ja zum Vergabekulturwandel

Autoren: Konrad Imbach
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Konrad Imbach, Zentralpräsident des Schweizerischen Plattenverbands (SPV), mit Dumpinglöhnen und dem neuen Beschaffungsrecht.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Ein Temporärbüro vermittelt einen Arbeiter an eine Plattenlegerfirma (kein Verbandsmitglied) für den Einsatz an einem Grossauftrag und bezahlt ihm einen Stundenlohn von 16 Franken. Der Fall aus dem Tessin bringt ein leidiges Thema ans Licht. Der Schweizerische Plattenverband (SPV) appelliert an alle Marktteilnehmer, sich für den Vergabekulturwandel einzusetzen.

Dass Dumpinglöhne in der Branche bezahlt werden, wusste man schon lange. Jetzt landete ein Fall vor dem Bundesgericht in Lausanne. Aufgrund dessen Entscheids auferlegte die Paritätische Kommission für Bau und Technik des Kantons Tessin dem Vermittlungsbüro eine Busse von 12 000 Franken. Aber eben – nur dem Vermittlungsbüro. Die Plattenlegerfirma kam ungeschoren davon, obwohl sie zweifellos von diesem Dumpinglohn wusste. Sie hatte den Arbeiter nicht nur während 800 Stunden beschäftigt, sondern darüber hinaus fünf Personen als «Lastenträger» deklariert, eine Berufsbezeichnung, die – wie man wissen sollte – in unserer Branche gar nicht existiert. Für eine Verurteilung der Plattenlegerfirma fehlt die rechtliche Grundlage, und es ist zu befürchten, dass sie weiterhin an Aufträge kommt, weil sie dank ihren Dumpinglöhnen weit unter der Konkurrenz offeriert.

Die Tessiner Sektion des Schweizerischen Plattenverbands machte bereits vor drei Jahren auf den Missstand aufmerksam. Sie appellierte an die Gewerkschaften, zusammen mit den Arbeitgebern dagegen vorzugehen. Die Politik rief sie auf, den Stellenwert des Handwerks zu respektieren: Es macht keinen Sinn, einerseits die Berufsbildung zu fördern, und anderseits Unternehmen mit ausgebildeten Fachkräften bei der Auftragsvergabe nicht zu berücksichtigen.

Am 1. Januar 2021 trat das neue Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen in Kraft. Es bezweckt unter anderem den wirtschaftlichen und den volkswirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltigen Einsatz der öffent­lichen Mittel. Der Zuschlag wird nicht mehr dem wirtschaftlich günstigsten, sondern dem vorteilhaftesten Angebot erteilt – es soll ein Vergabekulturwandel stattfinden. Der Schweizerische Plattenverband (SPV) steht zu diesem Gesetz und appelliert auch an private Auftraggeber, Generalunternehmer und Handwerksunternehmen, sich für einen fairen Wettbewerb unter Wahrung der freien Marktwirtschaft einzusetzen.

Autoren

Zentralpräsident des Schweizerischen Plattenverbands (SPV).

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