08:07 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Ehret heimisches Schaffen!

Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Peter Dransfeld, Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), mit dem Stellenwert regionaler Wertschöpfung in der Baubranche.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Als ich vor rund 30 Jahren erste Berufserfahrungen sammelte, war es selbstverständlich, bei Vergaben lokale und regionale Anbieter zu bevorzugen. Zu Architektur-Wettbewerben wurden vor allem Ortsansässige eingeladen. Heimische Handwerker erhielten den Zuschlag auch dann, wenn sie einige Prozente teurer waren als auswärtige Mitbewerber. Das ist eine Weile her, und es ist durchaus zu begrüssen, dass die Märkte heute offener sind. Unverschämte lokale Anbieter, die mit dem sicheren Zuschlag rechnen, gehören der Vergangenheit an.

Leider hat die heutige Vergabepraxis auch ihre Kehrseite: Unnötig lange Wege gehören zunehmend zum Alltag in der Baubranche. Müssen Architekten für einen Kindergarten zwei Stunden zur Baukommissions-Sitzung anreisen, wird eine Schreinerarbeit vor der Montage quer durch die Schweiz transportiert, dann darf die Frage erlaubt sein, ob es wirklich keine näheren konkurrenzfähigen Anbieter gibt. Eine Rückkehr zu etwas kürzeren Wegen wäre allemal wünschbar, und es gibt sogar Grund zur Hoffnung dafür: Das neue Vergaberecht, seit diesem Jahr in Kraft, könnte den Stellenwert regionaler Wertschöpfung stärken, wenn das unbestrittene Kriterium der Nachhaltigkeit auch die Transportwege berücksichtigt.

Neben der Nachhaltigkeit gibt es andere gute Gründe, Regionalität auch im Bauen zu fördern. Wer mit den Verhältnissen vertraut ist, leistet oft bessere und nicht selten wirtschaftlichere Arbeit. Ich arbeite in meinem Büro weitgehend mit lokalen und regionalen Handwerkern. Ich hatte selten das Gefühl, dass die Qualität oder Kosten darunter leiden; eher schon den Eindruck, Dinge zustande zu bringen, die ohne diese Vertrautheit untereinander nicht möglich gewesen wären.

Global zu denken und lokal zu handeln, entspricht nicht zuletzt einem urmenschlichen Bedürfnis nach Nähe und Vertrautheit. Weltweiter Beliebigkeit und Austauschbarkeit eine regionale Identität entgegenzusetzen, ist ein stabilisierender Faktor für uns alle, für unsere Gemeinschaft. Für uns Baufachleute betrifft das sowohl die Arbeit, die wir als Planende und Ausführende leisten, als auch deren Ergebnis: Was wir erschaffen, ist unbeweglich und langlebig, unsere Werke bleiben mit dem Ort der Entstehung verbunden. Wir schaffen bleibende Werte, wenn wir Innen- und Aussenräume entstehen lassen, wir schaffen Heimat, wir schaffen Orte der Vertrautheit.

So gibt es viele gute Gründe, lokale und regionale Wertschöpfung beim Bauen zu fördern und zu pflegen. Man mag eine solche Haltung als verstaubt ansehen; nach meiner Überzeugung ist sie es nicht. Das Nahe zu würdigen, steht nicht im Widerspruch zu Weltoffenheit. Es ist ein Gebot einer hohen Baukultur.

Autoren

Präsident Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA).

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