08:10 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Digitalisierung der Bauwirtschaft – die Krise als Chance

Autoren: Andrea Leu
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Andrea Leu, Co-Geschäftsführerin von Bauen digital Schweiz/buildingSMART Switzerland, mit der digitalen Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Acht Monate Pandemie-bedingte Ausnahmesituation verlangen uns allen einiges ab. Wir müssen uns an neue Realitäten gewöhnen, Bekanntes über Bord werfen und rasch auf Veränderungen reagieren. Dies birgt nicht nur Nachteile, im Gegenteil: Einige, schon lange brennende Themen haben einen richtigen Schub erhalten.

Die Digitalisierung zum Beispiel. Die Bau- und Immobilienwirtschaft weiss schon lange, dass digitale Technologien die Branche auf den Kopf stellen werden, trotzdem wird heute oft noch wie vor 100 Jahren gebaut. Während viele andere Sektoren durch die Digitalisierung deutlich produktiver geworden sind, hinkt die Bauwirtschaft mit jährlich nur rund einem Prozent Produktivitätszuwachs in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich hinterher.

Die Corona-Pandemie kann zum Umbruch führen und Trends wie Digitalisierung, neue Produktionsverfahren und Konsolidierung weiter beschleunigen. Dies wird Auswirkungen weit über die Branche hinaus haben, denn mit rund 15 Prozent des Bruttoinlandprodukts ist sie ein zentraler Wirtschaftsfaktor in der Schweiz und beeinflusst viele andere Sektoren. Eine produktivere Bau- und Immobilienwirtschaft ist deshalb auch gesamtgesellschaftlich mehr als sinnvoll.

Building Information Modeling (BIM) kann dabei als Kernstück der digitalen Transformation fungieren. Als kollaborativer Prozess, bei dem alle an einem Projekt beteiligten Parteien sicherstellen, dass die Informationen während des gesamten Lebenszyklus von Objekten konsistent ausgetauscht werden, ermöglicht BIM neue Dienste und komplett veränderte Formen der Zusammenarbeit.

Eines ist dabei zentral: Das Potenzial von BIM muss als Wertschöpfer und nicht als Kostenfaktor verstanden werden. Zusätzlich zu den finanziellen Vorteilen müssen die Akteure die strategische Rolle von BIM als wesentlichen Treiber der Digitalisierung erkennen. Und schliesslich sind koordinierte Anstrengungen erforderlich, um neue Talente mit Digital- und BIM-Kenntnissen anzuziehen, vorhandene Mitarbeitende weiterzubilden und Unternehmenskulturen zu verändern. Digitale Technologien müssen zukünftig grossflächig eingesetzt beziehungsweise erprobt werden und schliesslich zu Standards und Normen führen, die die Branche insgesamt weiterbringen.

Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus ist dabei durchaus sinnvoll. Genau hier setzen wir mit Bauen digital Schweiz/buildingSMART Switzerland an: Wir weisen auf Best Practices in unserem Land hin, machen sie öffentlich und bereiten damit den Boden für Standards und Normen. Gleichzeitig vernetzen wir uns international, um einerseits an wichtigen Entwicklungen und Trends teilzuhaben beziehungsweise sie mitzugestalten und um anderseits auch über unsere Erfolge zu berichten. Denn eines ist klar: Die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft ist nicht ausschliesslich eine Frage der Technologie, sondern vor allem das Resultat der richtigen Strategie und der passenden Organisation.

Autoren

Co-Geschäftsführerin von Bauen digital Schweiz/buildingSMART Switzerland.

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