08:01 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Die Klimapolitik in der Schweiz lebt – und kostet

Geschrieben von: Stefan Vannoni
Teaserbild-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Stefan Vannoni, Direktor der Cemsuisse, mit dem Beitrag der Zementindustrie zur Klimarettung.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Herrscht in der Schweizer Klimapolitik Stillstand? Nach dem Durchfallen des totalrevidierten CO2-Gesetzes im letzten Sommer an der Urne könnte man das vielleicht denken. Aber das ist weit gefehlt.

Erstens verfügt die Schweiz bereits über ein geltendes CO2-Gesetz. Es legt nicht nur die Basis für den weltweit höchsten CO2-Abgabesatz auf Brennstoffe, sondern regelt auch konkrete Verminderungsmassnahmen. Energieintensive Unternehmen wie zum Beispiel die Zementwerke sind verpflichtet, am Schweizer Emissionshandelssystem (EHS) teilzunehmen. Dieses wurde vergangenes Jahr mit jenem der EU verknüpft. 

Teilnehmende Unternehmen müssen für jede emittierte Tonne CO2 ein entsprechendes CO2-Recht abgeben. Damit werden die Emissionen von den Verursachern getragen, die Kosten internalisiert. Die verfügbaren Emissionsrechte – also die effektiv erlaubten Emissionen der Industrie – sinken dabei von Jahr zu Jahr um derzeit 2,2 Prozent. Gemäss dem «Fit for 55-Programm» der EU sollen diese neu sogar um 4,2 Prozent jährlich sinken.

Derzeit werden im EHS noch gewisse Emissionsrechte frei zugeteilt. Dies, um eine Verlagerung der Industrie ins Ausland zu vermeiden. Denn das hätte – bei gleichbleibendem Bedarf der produzierten Güter wie Zement – keinen positiven Umwelteffekt. Der Zement müsste vom Ausland importiert werden. Das «Fit for 55-Programm» der EU sieht zudem vor, die bisher frei zugeteilten Emissionsrechte komplett zu eliminieren.

Dies würde für die Schweizer Zementindustrie bedeuten, dass zukünftig für alle Emissionen CO2-Rechte gekauft werden müssen. Bei derzeit rund 2,8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen bedeutet dies für die Unternehmen einen nicht unerheblichen Kostenfaktor. CO2-Rechte werden aktuell zu rund 80 Euro gehandelt. Die Anreize, CO2-Emissionen stets weiter zu reduzieren, sind also nicht nur mit den geltenden Massnahmen bereits gross, sondern steigen mit dieser Aussicht noch an.

Zweitens haben sich zahlreiche Unternehmen und Branchen zum «Netto-Null-Ziel» in der Klimapolitik per 2050 verpflichtet. So auch die Zementindustrie, auf deren Konto in der Schweiz zwischen fünf und sechs Prozent der landesweiten CO2-Emissionen gehen. Sie hat sich jedoch nicht nur zum Klimaziel bekannt, sondern auch einen konkreten Plan vorgelegt, wie sie das Ziel erreichen will. Es werden weitere Produktionsprozesse optimiert und zunehmend elektrifiziert, neue und klinkerreduzierte Zemente entwickelt, Brennstoffe ersetzt und Carbon-Capture-Anlagen entwickelt sowie installiert. Das ist wichtig, weil zukunftsfähig, aber auch nicht gratis zu haben. Die Kosten für die Zementherstellung steigen – wie auch generell jene für die Dekarbonisierung der Wirtschaft.

Dabei handelt die Schweizer Zementindustrie schon lange. Seit 1990 hat sie ihren gesamten Treibhausausstoss schon um beachtliche 38 Prozent gesenkt. Sie wartet also nicht auf ein totalrevidiertes CO2-Gesetz, sondern agiert. Und sie bereitet sich bereits aktiv auf eine Welt nach 2050 vor – ganz ohne totalrevidiertes CO2-Gesetz.

Geschrieben von

Direktor der Cemsuisse.

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