12:09 BAUBRANCHE

Kolumne zum Donnerstag: Agenten auf schwieriger Mission

Geschrieben von: Benedikt Koch
Teaser-Quelle: libertyslens, Flickr, CC

In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Benedikt Koch, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, mit den Forderungen der Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen.

Schreibmaschine Kolumne Symbolbild

Quelle: libertyslens, Flickr, CC

Schreibmaschine, Schmuckbild.

Am 30. September 2021 ist es so weit: Agent 007 versucht einmal mehr eine scheinbar unmögliche Mission zu erfüllen. Ich bin überzeugt: Auch der neuste James-Bond-Film wird ein Publikumserfolg – wegen der Action, der Spannung und dem Wortwitz. Und weil James Bond die Herzen des Filmpublikums – und der meisten Bond-Girls – erobert, indem er in jeder noch so kniffligen Lage seinen Prinzipien treu bleibt und kompromisslos im Auftrag seiner Auftragsgeber agiert. In meinem Job als Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) bin ich als Agent der Baumeister im Einsatz. Dabei versuche ich täglich, die Interessen der Unternehmer so gut wie möglich zu vertreten.

Nicht nur auf den Leinwänden, sondern auch in der Wirtschaft sind Agenten ein Thema. Die «Prinzipal-Agenten-Theorie» besagt, dass längst nicht jeder Auftrag, der einem Agenten erteilt wird, von diesem auch im Sinne des Prinzipals ausgeführt wird. So kann der Auftraggeber die konkrete Arbeit des Agenten oft nicht oder nur bedingt beeinflussen, weil er schlicht zu wenig nahe an der Sache dran ist. Dies ermöglicht dem Agenten, auch eigene Interessen zu verfolgen und seinen Wissensvorsprung auf Kosten des Prinzipals auszunutzen. Fast jeden Tag habe ich mit Personen zu tun, die auf der anderen Tischseite in einer bestimmten Mission unterwegs sind. Sie versuchen mich von Lösungen zu überzeugen, deren Herkunft ich nicht immer zuordnen kann. Geht es ihnen wirklich um die Interessen des Prinzipals? Oder nützen sie vor allem dem Agenten?

Zurzeit verhandeln wir mit den Gewerkschaften über Lohnanpassungen im Jahr 2022. Die Gewerkschaftsfunktionäre fordern Lohnerhöhungen im Umfang von 100 Franken pro Monat. Sie glauben, damit die Arbeitsplätze im Bauhauptgewerbe – unabhängig von der individuellen Leistung – attraktiver zu machen. Ausbildungen, Karrieremöglichkeiten und die Sicherheit, auch während der schwierigen Corona-Zeit keine Existenzängste haben zu müssen, haben die Gewerkschaften bisher nicht auf dem Radar gehabt. Aber klar: Der Gewerkschaftsbeitrag eines Mitglieds hängt direkt von der Höhe seines Lohns ab. An jeder Lohnerhöhung verdienen somit die Gewerkschaften mit.

Da wir beim SBV nicht damit rechnen, dass die Gewerkschaften auf ihren monetären Agenten-Vorteil verzichten wollen, machen wir uns selbst Überlegungen, welche Bedürfnisse die Prinzipale, also die Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter, denn wirklich haben. Um die Handlungen von James Bond verstehen zu können, erscheint ab und zu auch M, sein direkter Vorgesetzter, und gibt einen Einblick in den effektiven Auftrag Ihrer Majestät. Ich wünsche gute Unterhaltung beim neuen James Bond-Film «No Time to Die».

Geschrieben von

Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands.

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