Haus-Analyse: Ein Erfolgsmodell macht schweizweit Schule

Appenzell Ausserrhoden verfügt über eine hohe Dichte an schützenswerten Bauten. Mit der im kantonalen Baugesetz integrierten Haus-Analyse werden Eigentümer zum Erhalt, Aus- und Umbau motiviert und Aufträge für das regionale Baugewerbe generiert. Heute können alle Kantone das Beurteilungsinstrument nützen. 

Erbe verpflichtet. Es kann zu einer schweren Bürde werden – muss es aber nicht. Das beweist ein Rundgang mit Fredi Altherr durch Herisau AR. Der Architekt und Denkmalpfleger zeigt auf eine beeindruckende Hausfront mit breiten, symmetrischen Bandfenstern und hinter der Täferfassade versenkten Fensterläden. «Ursprünglich hatten die heutigen Besitzer geplant, die Holzfassade mit einer Wärmedämmung und Eternitplatten zu verkleiden.» Doch der für die Region typische architektonische Ausdruck konnte erhalten werden. Dabei hätten die Architekten das stattliche Haus nicht einfach konserviert, sondern an die Bedürfnisse des heutigen Wohnungsmarktes angepasst.

Hilfe für Hauseigentümer

In Herisau wurde für die dereinst florierende Textilindustrie gebaut, für Fabrikanten, Fabrikarbeiter wie für in Heimarbeit webende Bauernfamilien. Die Schneemassen dieses Winters samt Folgen erzählen von Herausforderungen der Natur an die nah aneinander stehenden Häuser. Umso überraschender der überwiegend erfreuliche Zustand. Geholfen hat ein Ausserrhoder Erfolgsmodell: «Die Haus-Analyse bietet eine willkommene Hilfestellung für Hauseigentümer», erklärt Altherr. Er hat das Projekt in Gang gebracht und auf die Eigentümer in der Region ausgerichtet. Schweizweit einmalig sei der Anteil der Altbausubstanz im Ostschweizer Halbkanton. «Dreimal höher als der Durchschnitt. Mehr als die Hälfte der Häuser wurde vor 1919 erbaut. Sie sind zum Teil 300 bis 400 Jahre alt.» Wer investieren wolle, sehe sich zunächst mit begrenzten Möglichkeiten sogenannter Liebhaberobjekte konfrontiert. «Kühle Rechner beklagen immer wieder die hohen Kosten für Umbau und Renovation historischer Liegenschaften. Sie bezweifeln, dass es genügend interessierte Mieter für solche Häuser gebe.» Schlichtweg überfordert seien Liegenschaftsbesitzer bei Fragen zu möglichen Veränderungen: Umbauen, anbauen, renovieren, sanieren? Was lohnt sich? Was ist finanzierbar, was überhaupt erlaubt? Welche Bewilligungen müssten eingeholt werden? Verschiedenste Aspekte fordern heraus: Die Innenräume sind für heutige Wohnbedürfnisse zu niedrig und zu eng, Schallschutz und Wärmedämmung ungenügend, es fehlen Balkone, Loggias und Parkplätze. Und nicht zuletzt die heutigen Ansprüche an Bäder, Toiletten, Küchen. Fazit: Wer sein Eigenheim umbauen möchte, sei es zur Selbstnutzung oder Vermietung, braucht zuerst professionellen Rat.

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