Geschäftsführerin von Archijeunes im Interview: Baukultur macht Schule

Geschäftsführerin von Archijeunes im Interview: Baukultur macht Schule

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Der Verein Archijeunes will Baukultur als lebendigen Teil des alltäglichen Lebens an Kinder und Jugendliche vermitteln. Warum das nötig ist, was das bedeutet und wie das umgesetzt wird, sagt Kathrin Siebert, Geschäftsführerin von Archijeunes, im Interview. 

Warum braucht es den Verein Archijeunes?

Kathrin Siebert: Archijeunes hat sich zum Ziel gesetzt, die Baukulturvermittlung zu vernetzen und das Thema im schweizerischen Bildungscurriculum zu verankern. Dieses Anliegen unterstütze ich als Architektin, Wissenschaftlerin und Mutter. Wissen über Baukultur, über unsere gebaute und gestaltete Umwelt ist im Alltag von Personen, die nicht speziell in diese Richtung ausgebildet oder interessiert sind, oft kaum verankert. Und das finde ich schade. Ich finde es spannend, hier bei den Kindern anzusetzen, um langfristig und nachhaltig einen Umschwung in der Gesellschaft zu bewirken. Die Kinder nehmen ihr nächstes Umfeld so unmittelbar und direkt war. Sie sind unglaublich offen und begeisterungsfähig. Ich wünsche mir, dass wir ein bisschen von ihrer Neugierde und Offenheit aufgreifen können. Mir geht es darum, langfristig eine Sensibilität und ein Bewusstsein für die Baukultur zu erreichen. Es ist unser übergeordnetes Ziel, dass baukulturelle Bildung in den Schulen ankommt. Ich sehe hier ein riesiges Potenzial auf ganz verschiedenen Ebenen.

Wie haben Sie Ihre ersten Wochen im Amt erlebt?

Ich bin jetzt seit sechs Wochen im Amt und noch dabei, mich zu orientieren. Archijeunes hat sich 2018 neu definiert. Im Januar 2018 wurde der Verein, der zuvor unter dem Namen Spacespot firmierte, umbenannt. Im Laufe des Jahres wurde eine Plattform, eine Webseite aufgesetzt, die einerseits die Akteure vernetzt und informiert und andererseits eine Vielzahl von Lektionen zur Baukulturvermittlung kostenfrei zur Verfügung stellt: archijeunes.ch. Die finale Version wurde im September auf dem nationalen Symposium «Baukulturvermittlung als gesellschaftliche Verantwortung» in der Shedhalle in Zug präsentiert. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Neubesetzung der Geschäftsführung. Eine der wichtigsten Aufgaben wird jetzt sein, mit unserem Anliegen wirklich in den Schulen anzukommen. Konkret war ich seit Amtsantritt vor allem mit einer Sache beschäftigt: Zu Beginn des Jahres 2018 wurde eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Elisabeth Gaus-Hegner beauftragt, Bestand und Bedarf von Baukultur an den Schweizer Schulen zu analysieren. Diese qualitative Studie basiert auf Interviews, einer Onlineumfrage und einer Lehrplananalyse. Uns interessiert die Frage, was an den Schweizer Schulen unterrichtet wird und wie man baukulturelle Themen nachhaltig integrieren kann – welche Wege und Möglichkeiten gibt es da? In dieser Evaluation wurden etwa 60 Interviews mit Dozenten von verschiedenen pädagogischen Hochschulen geführt, etwa 20 Lehrpersonen wurden interviewt, auch etwa 100 Schüler aus der ganzen Schweiz wurden nach ihren Wünschen und Befindlichkeiten befragt – eine beeindruckende Arbeit. Eine der grössten Herausforderungen bestand darin, zu definieren, was Baukultur ist. Mit diesem Begriff ringen nicht nur wir und möchten deshalb noch dieses Jahr ein Kolloquium zur weiteren Klärung durchführen. Meine ersten Wochen waren also von der Begleitung dieser Studie geprägt – ein sehr schöner Einstieg. Es ging konkret zur Sache, und ich habe durch diese Analyse, die Aussagen der Dozenten und Lehrpersonen direkt einen Eindruck bekommen, welche Probleme es gibt, aber auch welche Ansatzpunkte. Das war ein wunderbarer Start, ich war sofort mittendrin, fantastisch.

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