09:04 BAUBRANCHE

Digitalisierungsschub in Bau- und Immobilienbranche bleibt aus

Teaser-Quelle: Christiaan008, CC BY-SA 2.0, flickr.com

Die Bau- und Immobilienwirtschaft hinkt der digitalen Transformation nach wie vor hinterher. Das hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Pom+ und der Organisation Bauen digital Schweiz/buildingSMART Switzerland ergeben.

Binärcode

Quelle: Christiaan008, CC BY-SA 2.0, flickr.com

Binärcode (Symbolbild).

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde der Digital Real Estate Index für die Schweiz und für Deutschland ermittelt. Der Index misst, in welchem Ausmass sich Immobilienunternehmen mit der Digitalisierung auseinandersetzen und wie weit sie bereits Massnahmen ergriffen und umgesetzt haben. Rund 250 Führungskräfte und Immobilienexperten aus der Schweiz und Deutschland schätzten die Digitalisierungsreife ihrer Unternehmen ein.

Basis für die Berechnung bilden 25 Indikatoren in fünf Clustern und zwölf Technologiebereichen. Auf einer Skala von 1 bis 10 wurde die aktuelle Digitalisierungsreife über den gesamten Markt mit 4,2 beurteilt, was einer Zunahme von 0,3 Punkten entspricht. Die Unterschiede in den Indizes für die Schweiz und Deutschland haben sich in diesem Jahr mit 4,1 und 4,6 wieder akzentuiert.

Bewirtschafter und Facility-Management-Dienstleister legen zu

«Die leichte Zunahme beruht mitunter darauf, dass sich der Digitalisierungsgrad zwischen den verschiedenen Rollen stärker angleicht», wird Studienleiter Joachim Baldegger in der Medienmitteilung zitiert. Im letzten Jahr hätten vor allem die Bewirtschafter und Facility-Management-Dienstleister punkto Digitalisierung zugelegt.

Lösungen wie Mieterportale, die Einführung von digitalen Mieterakten, die Automatisierung des Vermietungsprozesses, aber auch neue Möglichkeiten im Gebäudebetrieb dürften zu dieser Verbesserung beigetragen haben. Am wenigsten weit in der Digitalisierung fortgeschritten sind die Eigentümer und Investoren: Ihr Digitalisierungsindex sei sogar leicht tiefer als 2020, erklärt der Head of Service Unit Future Lab bei Pom+.

Digital Real Estate Index Rolle Unternehmen

Quelle: Pom+

Digital Real Estate Index nach Rolle des Unternehmens.

Bei den Investitionen in Innovation und Digitalisierung zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Viele Unternehmen stellen zwischen einem und 5 % des Jahresumsatzes dafür zur Verfügung (43 %). Rund ein Viertel der Befragten (24 %) investiert mehr als 5 % des Umsatzes. Eigentümer und Investoren bilden hier das Schlusslicht, was auch einer der Gründe für den tieferen Index sein dürfte.

Investitionen in Innovation und Digitalisierung

Quelle: Pom+

Investitionen in Innovation und Digitalisierung in Prozent des jährlichen Umsatzes.

Die aussergewöhnliche Situation rund um die Corona-Pandemie zeigt laut der Studie Auswirkungen auf die Digitalisierung der Bau- und Immobilienbranche. So wurden Investitionen in interne Prozessautomatisierung und in Digitalisierungsprojekte zurückhaltender getätigt. Als Konsequenz werden digitale Technologien weniger stark eingesetzt – einzig Plattformen und Portale bilden hier eine Ausnahme.

Fokus der Digitalisierung verschiebt sich

«Der Fokus der Digitalisierung hat sich im vergangenen Jahr verschoben. Anstatt die internen Prozesse zu optimieren, wurden die Kundenbeziehungen gepflegt und verbessert», erklärt Baldegger. Diese Entwicklung ist angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit nachvollziehbar, doch die Branche muss aufpassen, dass sie den digitalen Anschluss nicht noch weiter verliert.

Baldegger: «Die sich abzeichnenden Veränderungen im Bereich neuer Arbeitsmodelle und die damit verbundene Um- und Neugestaltung von Büroflächen bergen grosse Chancen für innovative digitale Lösungen. Dabei ist zu hoffen, dass diese Entwicklung nicht nur die Zusammenarbeit betrifft, sondern einen tiefgreifenden Wandel hin zu einem transparenten, demokratisierten Umgang mit Daten auslöst.»

Digitale Prozessdurchgängigkeit? Fehlanzeige!

Im Fokus der diesjährigen Umfrage stand das Building Information Modeling (BIM). 63 % der Befragten erachten die Anwendung von BIM für ihr Unternehmen als relevant, wobei BIM gegenwärtig vor allem bei der Planung und Erstellung von Gebäuden als wichtig erachtet wird. «Der Mehrwert von BIM kann jedoch nur über den gesamten Lebenszyklus realisiert werden», meint Alar Jost, Co-Autor und Vice Chair bei buildingSMART Switzerland.

Die Umfrageergebnisse deuteten darauf hin, dass die Bedeutung der digitalen Prozessdurchgängigkeit und Automatisierung noch nicht vollumfänglich verstanden wird, heisst es weiter. Auch der Lösungsweg, um BIM als Grundlage für ein durchgängiges Datenmodell des Gebäudes (Digital Twin) im Markt zu etablieren, scheine noch unklar zu sein. 

«Wir müssen jetzt an der Kultur, der Integration in die Wertschöpfungskette und dem Wissensstand arbeiten. Die nächsten Schritte sind also klar: Wir sind gefordert, durchgängige Datenstandards und offene Technologien zu entwickeln, die Stakeholder übergreifend nutzen können», so Jost, der als BIM-Experte die entsprechende Service Unit bei Pom+ leitet. (mgt)

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