Bäume statt Fussball in Klagenfurt: Mischwald mischt Stadion auf

Einst wurde das Klagenfurter Wörtherseestadion für die Fussball-EM von 2008 und für 33 000 Zuschauer erbaut. Heute spielt hier der Zweitligist Austria Klagenfurt vor beinahe leeren Rängen. Ursprünglich hätte die Spielstätte nach der EM auf 22 000 Plätze verkleinert werden sollen. Doch wegen Finanzproblemen wurde das Stadion – dessen Baukosten sich Medienberichten zufolge auf rund 100 Millionen Euro belaufen haben sollen – dann doch nicht rückgebaut.

Die wenig ruhmreiche Geschichte des Stadions kontrastiert mit der spektakulären Kunstinstallation, die zurzeit auf dem Rasen im Entstehen ist. Der Basler Künstler Klaus Littmann, der letzten Herbst in seiner Heimatstadt dem Himmel über dem Rhein mit künstlichen Planeten Farbtupfer verliehen hat, lässt dort einen temporären Mischwald anlegen. Die Idee oder vielmehr die Vorlage dazu lieferte die anfangs der 70er-Jahre entstandene Zeichnung «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur» (Bild) des österreichischen Künstlers Max Peintner. Als er das Werk zum ersten Mal gesehen habe, sei er fasziniert gewesen, so Littmann. «Ich wusste, dass diese Arbeit eines Tages der Ausgangspunkt für ein grosses Kunstprojekt im öffentlichen Raum sein würde.» Sind alle Bäume gepflanzt sollen sie im September und Oktober zum Nachdenken einladen: Das Publikum kann sie nämlich lediglich von den Zuschauerbereichen aus betrachten.

Die Installation verstehe sich als Mahnmal, dass die Natur eines Tages nur noch in ihr zugewiesenen Räumen zu bestaunen sein könne, heisst es in der Medienmitteilung zur Aktion. Allerdings könnte man das Bild vom Wald im Stadion auch anders verstehen: Irgendwann beansprucht die Natur den Raum, den ihr die Zivilisation genommen hat, wieder für sich.

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