Ausblick 2020: «Konjunktur ist in erster Linie Stimmungssache»

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Wie ist es um die Baubranche im 2020 bestellt? Das Baublatt hat dazu Experten zu unterschiedlichen Themen befragt. Klaus W. Wellershoff, CEO von Wellershoff & Partners, erklärt, welche Faktoren die Konjunkturentwicklung bestimmen.

Klaus W. Wellershoff, CEO Wellershoff & Partners
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Klaus W. Wellershoff, CEO Wellershoff & Partners

Welche Faktoren bestimmen die Konjunkturentwicklung in der Schweiz und was wären Wachstumsrisiken?

Konjunktur ist in erster Linie Stimmungssache. Wenn die Konsumenten optimistisch in die Zukunft blicken, sind sie bereit, auch grössere Anschaffungen zu tätigen. Wenn die Unternehmen gute Absatzchancen für ihre Produkte und Dienstleistungen sehen, wird investiert. Und wenn sowohl Konsumenten als auch Produzenten voller Zukunftsvertrauen handeln und die Finanzierung günstig ist, läuft die Bauproduktion auf vollen Touren. Tiefe Zinsen allein reichen eben nicht für eine gute Baukonjunktur. In einer globalisierten Welt lassen sich die Sorgen und Hoffnungen der Menschen aber kaum national eingrenzen.

Klimawandel und ein zunehmender Populismus in der Politik lassen uns auch in der Schweiz nicht unberührt. Im Gegenteil: In einem Land, in dem 40 Prozent aller produzierten Waren und Dienstleistungen ins Ausland abgesetzt werden, betrifft uns gerade die internationale Politik besonders. Und dort ist leider zurzeit wenig Grund für Optimismus zu finden. Bei zwei unserer wichtigsten Handelspartner, den USA und Grossbritannien, stehen die Zeichen auf Abschottung. Die USA lassen keine Gelegenheit für einen Handelsstreit aus. Und die Briten verlassen den liberalen Binnenmarkt Europas.

Gleichzeitig steht der freie Zugang zu den europäischen Märkten, den die bilateralen Verträge in einigen, aber längst nicht allen wichtigen Bereichen auch der Schweiz gewähren, politisch zur Disposition. Ohne Zugang zum EU-Binnenmarkt wären in der Schweiz Hunderttausende von Arbeitsplätzen gefährdet. Das gilt auch für die Bauindustrie, welche Produktionsstätten, die Infrastruktur für die Wirtschaft und Wohnraum für die Arbeitnehmer schafft. Das spüren die Menschen intuitiv und dementsprechend haben sich die Umfragewerte bei Konsumenten und Unternehmern verschlechtert. Der private Konsum ist schleppend und die Investitionen kommen kaum noch vom Fleck. Nimmt man hinzu, dass die Bauproduktion auf hohem Niveau kaum noch steigerungsfähig erscheint, ist die Luft dünn geworden für die Schweizer Konjunktur.