ARA-Nachrüstungen reduzieren Mikroverunreinigungen der Aare

Teaserbild-Quelle: Google Maps / screenshot / Bearbeitung: Pascale Boschung

Die nachgerüstete ARA Thunersee leistet einen wertvollen Beitrag im Kampf gegen die Mikroverunreinigungen der Aare. Das geht aus dem neusten Gewässerbericht hervor, den der Kanton Bern am Montag veröffentlichte.

Die Mikroverunreinigungen lassen sich durch die Nachrüstung der grossen Kläranlagen signifikant reduzieren.
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Die Mikroverunreinigungen lassen sich durch die Nachrüstung der grossen Kläranlagen signifikant reduzieren.

Erstmals seit einem Jahrzehnt haben sich die Fachleute des Gewässer- und Bodenschutzlabors wieder vertieft mit der Ökologie der Aare beschäftigt. Deren Wasserqualität halten sie allgemein für «gut bis sehr gut». Allerdings nehme die chemische Belastung von der Quelle in den Alpen bis zur Kantonsgrenze bei Murgenthal zu.

Schon im Auslauf aus dem Thunersee liessen sich in den Untersuchungsjahren 2017 und 2018 Spuren von Mikroverunreinigungen durch menschliche Einträge nachweisen. Messbar vorhanden waren etwa der künstliche Süssstoff Acesulfam sowie Metformin, das am häufigsten eingesetzte Medikament gegen die Zuckerkrankheit. Auch Spuren von Benzotriazol fanden sich. Das Rostschutzmittel gelangt vor allem durch Reinigungsmittel für Spülmaschinen in die Gewässer.

Auf dem Weg durchs Mittelland nehmen die Mikroverunreinigungen zu – parallel zur zunehmenden Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Geprägt wird das Bild durch nicht abgebaute Rückstände von Medikamenten sowie Chemikalien aus Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben.

Stichproben lassen aufhorchen

Insbesondere die Pestizide wirken sich auf die Wasserqualität aus, da ihre Wirkstoffe auch Wasserpflanzen und tierische Organismen beeinträchtigen können. Bei einer Stichprobe im Juni 2018 überschritten in Murgenthal gleich zwei Herbizid-Wirkstoffe aus der Landwirtschaft die Grenzwerte des Bundes.

Zwar können die Berner Experten keine verlässlichen Aussagen machen, wie lange und wie stark konzentriert die Fracht an Spurenstoffen ist. Grobe Abschätzungen stimmten aber nachdenklich.

Vierte Reinigungsstufe

Signifikant reduzieren lassen sich die Mikroverunreinigungen durch die Nachrüstung der grossen Kläranlagen. Der Bund verfolgt bekanntlich das Ziel, ausgewählte Abwasserreinigungsanlagen (ARA) bis 2035 mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten.

Als erste Anlage im Kanton Bern wurde die ARA Thunersee in Uetendorf entsprechend ausgerüstet. Sie hat im Sommer 2018 den Routinebetrieb aufgenommen. Die Vorgaben des Bundes würden bei weitem erfüllt, stellten die kantonalen Experten nun fest.

Als Beispiel nennen sie das Arzneimittel Metoprolol, das bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird: Früher wurden höchstens zehn Prozent zurückgehalten, nun wird es fast vollständig aus dem Abwasser entfernt.

Einige Substanzen liessen sich früher überhaupt nicht oder kaum eliminieren, zum Beispiel der blutdrucksenkende Wirkstoff Irbesartan und das Antidepressivum Venlafaxin. Auch hier gab es dank der Nachrüstung in Uetendorf eine deutliche Verbesserung.

Die Aufrüstung der ARA Bern und weiterer grosser Kläranlagen an der Aare und ihren Zuflüssen werde den Eintrag von problematischen Spurenstoffen aus häuslichem und industriellem Abwasser in den nächsten Jahren deutlich verringern, heisst es im Gewässerbericht.

Sofern auch die Landwirtschaft wirkungsvolle Massnahmen treffe und ihren Pestizideinsatz merklich reduziere, dürften diese Fortschritte zu einer spürbaren Verbesserung der Wasserqualität führen.

Probleme in Bächen und Grundwasser

In den kleineren Bächen des Mittellandes leiden die Fische unter Pestiziden aus der Landwirtschaft, Schadstoffen aus der Siedlungsentwässerung und den tendenziell steigenden Wassertemperaturen. Dies erfordert laut Kanton dringend griffige Massnahmen zur Behebung der ökologischen Defizite.

Im Grundwasser des Mittellandes lassen sich laut den Experten lokal immer mehr organische Spurenstoffe nachweisen. Auch wenn die meisten Grundwasservorkommen von guter Qualität seien, zeige das die Verletzlichkeit der wichtigsten Trinkwasserressource auf.

Deutlich wurde das zuletzt mit den in Grund- und Trinkwasser aufgefundenen Chlorothalonil-Rückständen. Eine akute Gefahr stellten diese nicht dar, teilte der Kanton Mitte August mit. Das Trinkwasser könne bedenkenlos genossen werden. Bis Ende Jahr will der Kanton aber die Situation analysieren wo nötig Massnahmen beschliessen. (sda)