Aktionärsgruppe setzt angeschlagene Implenia unter Druck

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Aktionärsgruppe setzt angeschlagenen Baukonzern Implenia unter Druck

Angesichts der schlechten Resultate von Implenia hat sich eine Aktionärsgruppe formiert, die Gegensteuer geben will. Der aktivistische Investor Veraison Capital spannt mit der Parmino Holding von Implenia-Grossaktionär Max Rössler zusammen.

Implenia-Grossprojekt in Zürich: Sanierung und Neubau am Hauptsitz der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG.
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Ben Kron

Implenia-Grossprojekt in Zürich: Sanierung und Neubau am Hauptsitz der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG.

Man halte zusammen 18,1 Prozent des Aktienkapitals der Implenia AG, teilt die Aktionärsgruppe in einem Communiqué mit. Ziel der Gruppe sei es, «Implenia zurück auf den Weg zum Erfolg zu begleiten und dabei den Wert des Unternehmens zu sichern und auszubauen».

Aktivistischer Investor

Hinter Veraison stecken Gregor Greber und Valentin Chapero, der frühere Konzernchef des Hörgeräteherstellers Sonova. Veraison gilt als aktivistischer Investor und hat sich in den vergangenen Jahren bei diversen Schweizer Gesellschaften eingekauft. Beteiligt ist die Gesellschaft über verschiedene Fonds etwa an Ascom, Calida, Mikron, Orell Füssli und Zehnder. Zuletzt hatte die Beteiligungsgesellschaft zudem den Einstieg bei der Versandapotheke Zur Rose gemeldet und davor den Wiedereinstieg beim Textilmaschinenhersteller Rieter.

«Massiv unterbewertet»

Implenia sei massiv unterbewertet im Vergleich zur Ertragskraft und zum Substanzwert, die im Unternehmen vorhanden seien, sagte Greber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Ziel sei es, den Baukonzern wieder zu dem Wert zu bringen, den er verdiene. Wie das gehen soll, wollte die Aktionärsgruppe nicht offenlegen. «Wir haben immer Ideen, wie man Mehrwert schaffen kann für alle Anspruchsgruppen», sagte Greber, der aber zu konkreten Massnahmen nichts sagen wollte: «Diese wollen wir nicht kommentieren; das würde die Gespräche mit dem Verwaltungsrat vorwegnehmen.»

«Wir stehen in einem guten, konstruktiven Dialog mit Unternehmen», sagte Greber. Auf die Frage, ob er eine Vertretung im Verwaltungsrat fordere, sagte Greber: «Ein Sitz im Verwaltungsrat steht im Moment nicht zur Debatte. Das würde den Dialog stören.» Keinen Kommentar wollte Greber auf die Frage abgeben, ob die Aktionärsgruppe personelle Konsequenzen fordere. Ebenso nahm er nicht Stellung zur Frage, ob das nicht auf Touren kommende Auslandsgeschäft von Implenia beendet werden solle.

Seit der Gründung des Baukonzerns aus der Fusion von Zschokke und Batigroup im Jahre 2006 ist Max Rössler ein Grossaktionär bei Implenia. Laut dem Geschäftsbericht 2018 hält die Parmino-Holding von Rössler 16,3 Prozent am Schweizer Branchenprimus. Die genaue Höhe des Veraison-Anteils wollte Greber nicht beziffern.

Implenia: «Offen für konstruktiven Dialog»

Implenia gegenüber sei die Gruppenbildung der Veraison Capital AG und der Parmino Holding AG über einen Aktionärsbindungsvertrag offengelegt worden, schreibt der Baukonzern. Die Parmino Holding habe Anfang August 16,5 Prozent am Aktienkapital gehalten. Gemäss der Offenlegung halte die Gruppe gemeinsam 17,34 Prozent der Stimmrechte. Weitere Informationen und Hintergründe lägen dazu momentan nicht vor, erklärt Implenia. Der Baukonzern sei offen für einen konstruktiven Dialog.

Auslandsgeschäft kommt nicht auf Touren

Im ersten Halbjahr 2019 hat Implenia einen Gewinneinbruch erlitten. Grund waren Abschreibungen im Auslandsgeschäft. Auch die Einführung einer neuen Organisation und die Umsetzung der Strategie belasteten das Ergebnis. Konkret stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 2,8 Prozent auf 2,18 Milliarden Franken. Nach Abschreibungen von 61,5 Millionen, insbesondere auf Tiefbau-Projekte in Norwegen und Polen, sackte der Betriebsgewinn (Ebit) um deutlich mehr als die Hälfte auf 11,4 Millionen Franken in die Tiefe.

Unter dem Strich schmolz der Reingewinn auf eine halbe Million Franken zusammen und blieb damit nur noch knapp im Plus. Ein Jahr zuvor hatte Implenia noch einen Reingewinn von 8,9 Millionen Franken eingefahren. Der neue Konzernchef André Wyss hatte sich an der Halbjahresmedienkonferenz nicht beunruhigt gezeigt, sondern sah seine Erwartungen bestätigt: «2019 ist ein Übergangsjahr. Aber bei der Umsetzung der Strategie sind wir auf Kurs.» Nach den Projektkorrekturen im Dezember 2018 habe man auch keinen weiteren Korrekturbedarf identifiziert. Das Auslandsgeschäft sorgt schon seit Jahren immer wieder für Löcher in der Implenia-Kasse. Richtig den Erwartungen entsprochen hat es nie. (awp sda/bb)