10:05 BAUBRANCHE

Aaregondel soll Solothurn mit Boomgebieten verbinden

Teaserbild-Quelle: zvg

Eine Gondelbahn entlang der Aare soll vom Solothurner Hauptbahnhof über Zuchwil zum Attisholz-Areal in Luterbach führen. Das schlägt der Areal- und Immobilienprojektentwickler Reto Paul Grimm vor. Von Naturschutzverbänden hagelt es Kritik.

Aaregondel Solothurn Luterbach

Quelle: zvg

Visualisierung der geplanten Gondelbahn.

In und um Solothurn wird gebaut. Mehrfamilienhäuser, Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und grosse Überbauungen in Zuchwil rund um den Widiwald werden erstellt. Aber auch im Attisholz sollen in den nächsten drei, vier Jahren Wohnungen gebaut werden. Auf der anderen Seite der Aare, auf Luterbacher Boden, findet sich eine der wichtigsten Industriezonen der Schweiz: Das Areal, auf dem der Pharmagigant Biogen eine hochmoderne biopharmazeutische Produktionsstätte hochzieht und bis zu 1200 Arbeitsplätze entstehen sollen.

Die Kehrseite ist das steigende Verkehrsaufkommen. Der visuelle Gestalter sowie Areal- und Immobilienprojektentwickler Reto Paul Grimm aus Solothurn schlägt zur Verkehrsentlastung eine Gondelbahn vor. Sie soll die Entwicklungshotspots mit dem Hauptverkehrsknotenpunkt verbinden. Vom Hauptbahnhof via Widi in Zuchwil bis zum Uferpark an der Aare in Luterbach soll sie führen.

3250 Meter lange Strecke

Aaregondel nennt Grimm sein Projekt. 3250 Meter lang, 17 Masten, höchster Punkt 40 Meter über dem Boden, 74 Gondeln, die jede bis zu zehn Personen Platz bieten und zusammen bis zu 2000 Menschen pro Stunde transportieren können. Bei Vollauslastung verlässt alle 18 Sekunden eine Gondel die Station und bringt die Reisenden mit sechs Metern pro Sekunde in elf Minuten und elf Sekunden vom Hauptbahnhof ins Attisholz.

Eine Gondelbahn habe zahlreiche Vorteile gegenüber Bus, Tram oder Zug, so Grimm. Sie sei lärmarm, emissionsfrei, und statt im Stau zu stehen, schwebt man über die Aare an der Stadt vorbei in den boomenden Osten der Agglomeration. Und während Strassen und Schienen Land fressen, ist der Ressourcenverschleiss einer Gondelbahn vergleichsweise gering. Auch die Baukosten liegen viel tiefer. Ein Gondelkilometer kostet laut Grimm einen Zehntel dessen, was für einen Kilometer Kantonsstrasse ausgegeben werden müsse.

Kosten von 30 bis 40 Millionen

Der Initiant geht von Gesamtkosten für das Projekt von rund 30 bis 40 Millionen Franken aus. Ziel wäre es, die Bahn als ÖV-Projekt auch öffentlich zu finanzieren. Derzeit sucht Grimm nach Geldern für eine umfassende Machbarkeitsstudie. Gondelbauer Garaventa hat bereits erste Pläne gezeichnet. Grimm hat auch eine Interessengemeinschaft gegründet, die «IG Aaregondel». Denn er rechnet mit Gegenwind, weil die Strecke der Aare entlang über Naturschutzgebiete führen würde.

«Verspäteter Aprilscherz»

Tatsächlich stösst das Projekt bei Naturschutzverbänden auf Widerstand. «Das Projekt kann und darf so nicht bewilligt werden», sagte Thomas Lüthi, Vizepräsident des Verbands Birdlife Solothurn, gegenüber der «Solothurner Zeitung». Zwischen Feldbrunnen und Flumenthal kreuzt die Gondelbahn ein Wasser- und Zugvogelschutzgebiet von nationaler Bedeutung.

Und auf Luterbacher Seite, jenseits des Flusses, würde die Strecke durch ein Auenschutzgebiet führen. Ariane Hausammann von der Geschäftsstelle von Pro Natura Solothurn sprach gegenüber der Zeitung von einem «verspäteten Aprilscherz»: «Aus unserer Sicht ist ein solches Projekt schlicht nicht realisierbar.» (mgt)

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