Ausstellung «Ernst Gamperl - Dialog mit dem Holz»

«Ernst Gamperl - Dialog mit dem Holz»: Neues Leben für eine 230jährige Eiche

26. Mai - 03. November 2019

Während rund zehn Jahren hat der Künstler und Drechsler Ernst Gamperl, einer vom Sturm entwurzelten Eiche zu neuem Leben verholfen: Die Baumriesin lieferte das Rohmaterial für sein «Lebensbaum-Projekt». Davon erzählt eine Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur.

Während eines Orkans krachte 2008 im bayerischen Rott am Inn eine mächtige Eiche auf ein Haus nieder. Der 230jährige Baum zerstörte dabei das Dach und das erste Stockwerk des Gebäudes. Allerdings war dies nicht das Ende der Eiche. Sie erhielt wenig später erhielt ein zweites Leben: Ernst Gamperl entdeckte den Baum oder vielmehr war er vor von einem ein Freund darauf aufmerksam gemacht worden. Von der Eiche fasziniert nahm er umgehend mit der Forstverwaltung sowie den übrigen Verantwortlichen Kontakt auf und erwarb den Baum schliesslich.

«Es handelte sich um den bisher grössten Baum, der jemals den Weg zu mir gefunden hat», erinnert sich Gamperl. Es habe einfach niemanden gegeben, der sich auf den Baumriesen habe einlassen wollen, weil dieser für standardisierte Arbeitsabläufe schlicht zu gewaltig sei. «Allein der Erdstamm mit seinen drei Metern Länge wog zehn Tonnen, der zweite ebenso lange Abschnitt ungefähr zwölf bis vierzehn Tonnen, der maximale Durchmesser lag bei 2,7 Metern», so Gamperl. Um überhaupt mit Holz von solchen Dimensionen arbeiten zu können, musste er sein Atelier entsprechend anpassen: Er habe seine Werkstatt während zweier Jahre vollständig verändert, erweitert und umgebaut und «unter grossem Aufwand» neue Drehmaschinen konstruiert. Damit lieferte das Holz in den vergangenen rund zehn Jahren das Rohmaterial für Gamperls «Lebensbaum-Projekt»: eine Serie vielfältig geformter Gefässe und Objekte.

Nach weltweit viel beachteten Ausstellungen sind ab 26. Mai sind die teils archaisch anmutenden Stücke erstmals im Gewerbemuseum Winterthur in der Ausstellung «Dialog mit Holz»zu sehen. Daneben vermitteln Fotografien, Arbeitsfragmente und ein Dokumentarfilm spannende Einblicke in Gamperls Arbeitsweise.

Auch sonst gilt Gamperls Leidenschaft dem nachwachsenden Rohstoff: Unter anderem bearbeitet er mit einer besonderen Methode grünes Holz und schafft so Skulpturen, bei denen so der natürliche Trocknungsprozess in die Formgebung der Stücke miteinfliesst. Gamperl interessiert vor allem der Dialog mit dem lebendigen Material, aber auch die Qualität des Unvorhersehbaren. So zieht er Risse, Bruchstellen, Äste und Unregelmässigkeiten bewusst in die Gestaltung mit ein. Zudem ist die Bearbeitung des Holzes mit unterschiedlichen Dreheisen ein grosses Thema, aber auch das Bürsten und Einfärben der Oberflächen weitere Merkmale. (mai/mgt)

Weitere Informationen

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Mai
26. Mai - 03. November 2019

Datum: 26. Mai bis 3. November
Ort: Gewerbemuseum Winterthur
Öffnungszeiten: Di. und Mi. 10–17 Uhr, Do. 10–20 Uhr, Fr. bis So. 10–17 Uhr

Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
8400 Winterthur
Schweiz