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« Zurück zur Übersicht: Trendforscher Matthias Horx’ „Future Evolution House“

Mit dem Wohnraumschiff unterwegs in die Zukunft

Ein Basislager für moderne Nomaden wird das Wohnhaus der Zukunft sein. Dies prophezeit Trendforscher Matthias Horx, der heute anlässlich des Swissbau Future Forums mit Peter Sloterdijk über nachhaltige Stadtentwicklung diskutiert.
 
 
„Immer mehr werden unsere Häuser und Wohnungen, unsere Lofts und Apartments, zu „Hubs“ oder „Urban Lounges“, zu Basislagern einer neuen, mobilen Identität“, schreibt Matthias Horx. „Die Kunst des Wohnens wird darin bestehen, beides zu vereinen: unsere Cocooning*-Sehnsucht mit unserem alten nomadischen Impuls, neu aufzubrechen.“ Damit beschreibt der deutsche Trend- und Zukunftsforscher nicht nur die neuesten Entwicklungen sondern vor allem sich selbst. Er pendelt zwischen Frankfurt, Wien und London.
 
Derzeit entsteht aber am Stadtrand Wiens ein neues „Basislager“, das „Future Evolution House“, in das Matthias Horx und seine Partnerin mit den beiden Söhnen einziehen wollen. Bei diesem Haus der Zukunft geht es um zwei lang gezogene, elegante Bauten, die sich in vier Bereiche gliedern: Der Bereich „Think/Work“ gilt als Arbeits- und Büromodul, in den auch ein kleiner Film-Vorführraum integriert ist. Das „Hub“ sei das zentrale „Lebens-Modul“, heisst es auf der Website zum ambitionierten Projekt. Hier werde gelesen, gekocht, mit Familie und Freunden gespeist. Es sei sozialer Treffpunkt der Familie. Über den Bereich „Guests“ ist zu lesen: „Hier wohnen die Kids – etwas geräuschgedämmt. Die werden im weiteren Verlauf ihres Lebens vielleicht im Ausland studieren oder anderweitig unterwegs sein – dann wohnen hier Gäste und Besucher.“ Und schliesslich der vierte und letzte Bereich „Love“, wo das Paar mit einem grossen „Badesalon“, klar abgetrennt vom übrigen Wohnraum, residiert. Hinter den vier Zonen steckt laut Matthias Horx die Idee eines Raumschiffes mit Schleusen zwischen den einzelnen Bereichen. Damit lasse sich die soziale Situation jederzeit ändern. „Man möchte manchmal gerne alleine sein, dann wieder mit seiner Familie oder mit Freunden, und dann kann man die Schleusen öffnen.“

„Bescheidene Dimensionen“

„Wir sind in den Dimensionen eher bescheiden“, sagt Horx in einem Interview über die Ausmasse seines Projektes. 200 Quadratmeter sei nicht übertrieben gross für eine vierköpfige Familie, glaubt er. Für den externen Bürokubus hat er 120 Quadratmeter reserviert.
 
Das neue Daheim der Familie Horx soll mit nachhaltiger Energie versorgt werden, und zwar mit Sonnenenergie. Langfristig gehe man von einem Energy Grid aus, einem Netzwerk von dezentralen Energieproduzenten, in dem das "Future Evolution House" Teil eines umfassenden Verbrauchs- und Produktionsnetzwerkes werde, so Horx über das Haus. Auch die Mobilität ist Teil des Konzeptes. Batteriebetriebene Fahrzeuge würden in den nächsten Jahren eine schnelle Evolution erleben, ist Horx überzeugt. „Unser Haus bietet eine prima Tankstelle für Solarstrom.“ Deshlab will der Zukunftsexperte den Bau  mit Elektro-Bikes und anderen Kurzmobilitäts-Fahrzeugen ausrüsten, die sich leicht mit der vom Haus gewonnenen Photovoltaik-Energie „betanken” liessen.
 
Wann es soweit ist und Familie Horx im Haus der Zukunft einzieht, wird sich noch zeigen. Zumindest scheint das Einrichten im neuen Zuhause nicht ganz leicht zu sein. Denn auf die Frage, wie er im neue Haus leben werde, antwortete Matthias Horx in einem Interview: „Das Problem ist, den ganzen Krempel, der sich im Lauf der Zeit ansammelt zu vermeiden. Die meisten Haushalte sind mit Staub- und Aufmerksamkeitsfängern zugestellt. Das ist heute niemandem mehr zumutbar.“ Er wolle ein Haus gestalten, indem man mit relativ wenig pflegerischem Aufwand kreativ sein könne. „Wir brauchen eine Art gemütlichen Minimalismus.“ (mai)
 
 
*Cocooning: Der Ausdruck wurde von US-Trendforscherin Faith Popcorn geprägt. Er bezeichnet das Bedürfnis, sich in einen Kokon zurückzuziehen oder vielmehr sich einen solchen zu bauen und einzurichten.
 
 
 
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