
Crosby Street, New York, 1978
Die grossformatigen Fotografien Thomas Struths scheinen die Wirklichkeit zu überhöhen. Sie ermöglichen dem Betrachter Blickwinkel, wie er sie in solch umfassender Grösse nie sehen könnte. Da ist etwa das Bild der Cosbystreet in New York: Weil keine Menschen zu erkennen sind, dafür aber jedes Körnchen und jede Unebenheit im Asphalt, erscheint die Ansicht unwirklich. Sie hat mehr mit einer Filmkulisse gemein als mit der Realität. Entrückt wirkt auch die Baustelle von Apartmenthäusern in Seoul. Denn auch hier sind keine Menschen zwischen den Betontürmen zu sehen. Menschen gibt es hingegen etwa in seiner Serie „Andachtsräume“ zu sehen: Unter der Kuppel des Pantheons in Rom wirken sie verloren …
Und das tun sie auch auf den „Museumsbildern“. Doch hier sind die Museumsbesucher mehr als nur Sujet, sie werden sozusagen selber zum Kunstwerk.
Thomas Struth gehört neben Andreas Gursky und Jeff Wall zu den weltweit wichtigsten und einflussreichsten Fotokünstlern. Den Anfang machte er in den späten 70er-Jahren mit seinen Strassenbildern: Zuerst klar symmetrisch aufgebaute, später freier komponierte schwarz-weisse Aufnahmen menschenleerer Strassen. Darauf folgten Strassenszenen aus asiatischen Metropolen, bei denen auch das Gewimmel der Passanten als bestimmendes Bildelement dazu kam. Berühmt wurde Struth schliesslich mit mit den Museumsbildern. „Die Museen waren fast immer brechend voll, und das veranlasste mich, mir die Frage zu stellen, was die Menschen, wenn sie vor diesen historischen Gemälden stehen, eigentlich suchen“, sagt Struth. Für ihn sei das Museum ein Ort, an dem er seine eigene Wahrnehmung schärfte.
Das Zürcher Kunsthaus ist die erste Station von Struths erster grosser europäischer Übersichtsausstellung. Im Anschluss wird sie in Düsseldorf, London und in Porto gezeigt. Zudem wird in Zürich zum ersten Mal eine Gruppe neuer Werke vorgestellt. Thema ist hier die „Geschichte des menschlichen Ehrgeizes“, die sich in der Architktur einer Kathedrahle genau so spiegelt wie im Bau eines Raumschiffs. (mai)
Kunsthaus Zürich


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