Verständlich, dass sich angesichts dieser Zahlen einige Falten auf der Stirn bilden. Woher kommt dieses Holz? Was bedeutet das für andere Holznutzungsformen? Hellhörig geworden, analysiert man die Sache. Die KEV schreibt einen minimalen Jahreswirkungsgrad von etwa 60 Prozent für die Holzenergieprojekte vor. Fachleute der Energiebranche sagen, dass es für holzbetriebene Stromerzeugungsanlagen schwierig ist, diesen Wirkungsgrad zu erreichen, da sie immer sehr gross sind und einen elektrischen Nettowirkungsgrad von nur etwa 15 Prozent aufweisen. Es gibt in der Schweiz kaum Orte, wo die gleichzeitig anfallenden, grossen Wärmemengen ganzjährig nutzbar sind. Die Trägerschaften der KEV-Projekte monieren deshalb, der geforderte Jahresnutzungsgrad sei (zu) hoch.
Jetzt beginne ich zu rechnen: Ein in den Medien breit publiziertes Projekt im Kanton Thurgau braucht pro Jahr 80000 Tonnen Holz, das entspricht rund 130000 Festmeter oder etwa 350000 Schnitzelkubikmeter. Das freie Energieholzpotential aus dem Thurgauer Wald liegt heute noch bei etwa 50000 Kubikmeter Schnitzel pro Jahr. Die geplante Anlage verpufft bei einem Jahreswirkungsgrad von 60 Prozent über 30000 Tonnen ohne jeglichen Nutzen. Das sind rund 50000 Festmeter, 130000 Schnitzelkubikmeter oder das Zweieinhalbfache des freien Thurgauer Waldholzpotentials!
Gretchenfrage: Woher kommt das Holz, wenn die KEV-Projekte in Zürich und in Bern ebenfalls zu wenig Holz haben und die bereits laufende Anlage im Bündnerland ihr Holz beispielsweise auch aus dem Berner Seeland bezieht?
Fazit: Small is beautiful. Die Zukunft der Holzenergie liegt fast ausnahmslos in dezentralen Anlagen zur Wärmeerzeugung. Nur so ist langfristig ein friedliches Nebeneinander von stofflicher und energetischer Holznutzung möglich.
Christoph Starck, Direktor Lignum, Holzwirtschaft Schweiz


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