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Zumthors Tipp gegen Dichtestress: Urlaub in New York


25.11.2014

Der Dichtestress, die Qualität von Architektur, die Bedeutungslosigkeit von Architekten – darüber hat Stararchitekt Peter Zumthor in einem Interview mit „Die Zeit“ online gesprochen. Ausserdem äussert er sich zu den Plänen für Vals, wo er vor Jahren die weltberühmte Therme entworfen hat.

Peter Zumthor gehört zu den Meistern seiner Zunft. Dabei ist der Pritzker-Preisträger eigentlich der Meinung, dass Architekten bedeutungslos sind – zumindest im Bauprozess. „Der Architekt ist ähnlich bedeutend wie der Sanitärinstallateur“, meint er im Interview mit „Die Zeit“ online lapidar. „Wenn mich Architekturstudenten fragen: Was können wir bewirken? Dann sage ich: Nichts.“ Das sei frustrierend, aber der Preis „unseres demokratisch-kapitalistischen Systems“. Der Architekt suche die Nähe zum Geld, denn nur damit könne man bauen. Vor 40 Jahren habe er noch geglaubt, dass er alles beeinflussen könne. Aus der Rückschau sehe er, dass er wenig habe beeinflussen können.

Und doch ist Zumthor der Meinung, dass die Qualität der Architektur in der Schweiz „besser und besser“ wird. Er sieht immer wieder ganz normale Einfamilienhäuser, bei denen er denkt: „Doch, das ist etwas. Da wurde wirklich überlegt.“ Es gebe in der Schweiz ein allgemeines Bewusstsein dafür, dass Häuser schön sein könnten. In einigen Städten beginne man zu realisieren, dass man nicht alles dem Geschmack eines einzigen Büros überlassen dürfe. Die Öffentlichkeit beginne, selber die Zügel in die Hand zu nehmen. „Das Gemeinwesen muss sich einbringen und fordern, dass öffentlicher Raum und Qualität entsteht.“

Ab nach New York

Zumthor selbst hat laut „Die Zeit“ kürzlich den Vorschlag gemacht, dass man alle unbebauten Flächen im Mittelland auszonen und zu einem grossen Park machen soll. Der Rest würde dann „eine richtige Stadt“. Eine solche müsse eine gewisse Dichte haben. Doch gerade das scheint Herr und Frau Schweizer derzeit zu stressen. Diesen Dichtestress könne man ihnen nehmen, indem man ihnen zwei, drei Wochen Urlaub in New York schenke, meint der Architekt lachend.

Traurigkeit wegen Vals

Ernst wird er, wenn man ihn auf Vals anspricht. Dort wurde er vor zwei Jahren ausgebootet, als es darum ging, die Anlage rund um die Therme zu erneuern. Das Bad hat den Architekten weltberühmt gemacht. Aber die Erneuerung liegt nun in den Händen des einheimischen Investors Remo Stoffel, der ein Luxushotel sowie einen Park bauen will, den Stararchitekt Tadao Ando entworfen hat. Der Ausgang dieser Geschichte wurmt Zumthor „sehr“. „Meine Frau und ich hatten den Traum, dass man in Vals eine nachhaltige Form des Tourismus gestalten kann, die mit den sozialen und kulturhistorischen Gegebenheiten des Ortes arbeitet.“ Hotel und Therme hätten von Jahr zu Jahr bessere Erträge bewirtschaftet. „Dass es einem einzigen Einheimischen gelang, diesen Erfolgreichen Betrieb dem Dorf wegzunehmen und diesen selbst zu führen, sprich, das Dorf dazu zu bringen, darauf zu verzichten, macht mich traurig.“ (pd/mt)


Hier finden Sie das komplette Interview