Herbstwald, Symbolbild (Nicholas_T, Flickr, CC)
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Schweizer Holz: Mehrheitlich positive Ökobilanz


19.10.2016

In der Schweiz ist die Ökobilanz von Holz mehrheitlich positiv. Allerdings wird der nachwachsende Rohstoff noch zu wenig als Bau- und Brennmaterial genutzt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der ETH im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms „Ressource Holz“.

Mit der Studie wurden die ökologischen Auswirkungen von Holz in der Schweiz für die ganze Wertschöpfungskette systematisch untersucht: vom Fällen der Bäume bis zum Recycling oder Verbrennen, einschliesslich der Herstellung von Halbfabrikaten wie Papier, Platten und Holzpellets. Die Studie zeigt, dass die Schweiz in dieser Hinsicht relativ gut unterwegs ist. Denn die Autoren gehen davon aus, dass die Schweiz durch die Verwendung von Holz ihren CO2-Aussstoss jährlich um 2 bis 3,1 Millionen Tonnen reduziert - bei einem Gesamtausstoss von 52,6 Millionen Tonnen im Jahr 2013. Diese Reduktion erklären sich zu zwei Dritteln durch die Umstellung von Öl und Gas auf Holz bei privaten und industriellen Heizungen, schreibt der Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftliche Forschung (SNF) dazu in seiner Medienmitteilung. Der Rest sei auf den verstärkten Einsatz von Holz im Bau und in der Möbelherstellung zurückzuführen.

Dennoch gibt es Optimierungspotenzial: „So lange die Nutzung von Holz in nächster Zeit nicht zunimmt, ist das Recycling von Holzabfällen ökologisch nicht sinnvoller als das Verbrennen“, sagt Florian Suter, Erstautor der Studie und Doktorand am Lehrstuhl für ökologisches Systemdesign an der ETH Zürich.  Dies möge paradox erscheinen. Aber wenn man zum Beispiel Spanplatten aus Abfällen herstelle, bringe das im Moment keine grossen Vorteile, da es letztlich vor allem dazu führe, dass weniger Holz geschlagen werde, obwohl die Waldbestände derzeit sehr hoch seien.

Papier und Heizungen belasten Umwelt

Die grösste Umweltbelastung entsteht durch die energieintensive Herstellung von Papier, gefolgt von Heizungen in Haushalten und industriellen Prozessen, der Herstellung von Platten und der Holzernte. „Die verschiedenen ökologischen Auswirkungen hängen aber natürlich von der genaueren Verwendung ab“, betont Suter. Im Grossen und Ganzen könne man sagen, dass die Herstellung von Holzprodukten im Vergleich zu anderen Materialien relativ wenig Energie benötige.  Auch der Frage, wie sich der internationale Handel auf die Umwelt auswirkt geht die Studie nach: Sie zeigt, dass die Umweltauswirkungen von Importen beträchtlich sein können. Dies, weil sie laut Suter oft aus Halbfabrikaten bestehen, bei denen das Holz nicht immer aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.

 Wälder intensiver nutzen

Um das Potenzial von Holz noch besser ausschöpfen zu können, raten Suter und seine Kollegen Holz vermehrt in denjenigen Bereichen zu verwenden, in denen es die grössten Vorteile bringt. Das gilt vor allem für Baumaterialien und Energie. Zudem empfehlen sie die negativen Auswirkungen wie Feinstaub  zu mildern und die gesamte Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. So sollten die Wälder sollten intensiver genutzt werden, argumentiert Stefanie Hellweg, Professorin am Institut für Umweltingenieurwissenschaften der ETH Zürich. „Die Holzbestände nehmen in den europäischen und schweizerischen Wäldern zu. Der Klimanutzen von Holz wird also nicht vollständig ausgeschöpft. Es wird manchmal vergessen, dass Holz eine der wenigen verfügbaren erneuerbaren Ressourcen ist.“ (mai/mgt)