"Mehr als wohnen" (Gabriel Diezi)
Anzeige

Internationaler Preis für Zürcher Baugenossenschaft „Mehr als wohnen“


20.03.2017

Alljährlich prämiert die Stiftung Building and Social Housing (BHSF) zwei Projekte, die auf besonders innovative Weise mit den aktuellen Herausforderungen im Wohnungswesen umgehen. Unterstützt wird der Preis vom Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen, UN-Habitat.

Ein Preis geht jeweils in den Süden (mehr dazu am Ende des Artikels) und einer in den Norden. Auf der Nordhalbkugel konnte man sich heuer bei der Baugenossenschaft „Mehr als wohnen“ freuen. Dabei handelt es sich um ein Genossenschaftsprojekt in Zürich, das aus einer Zusammenarbeit von mehr als 50 Wohnbaugenossenschaften entstanden ist.

Die Siedlung auf dem ehemaligen Hunziker-Areal im Leutschenbach gilt als eines der ambitioniertesten Genossenschaftsprojekte Europas. Sie setzt sich aus dreizehn Bauten zusammen, in denen sowohl Einpersonenhaushalte als auch Paare, Familien oder Wohngemeinschaften Platz finden. Neben einer guten Durchmischung wird in der Siedlung mit Bauten von Duplex Architekten, Futurafrosch, Müller Sigrist Architekten, Pool Architekten und Miroslav Šik die Nachhaltigkeit gross geschrieben. Das Areal unterschreitet laut Angaben der Genossenschaft den Primärenergieverbrauch von Minergie-P deutlich. Zudem haben nur Bewohner Anspruch auf ein Auto die von Berufswegen oder aus körperlichen Gründen darauf angewesen sind.

„Es ist inspirierend, dass Genossenschaftsüberbauungen derart gut sein können“, begründet David Ireland, BHSF-Direktor und Mitbegründer der World Habitat Awards, die Preisvergaben. „Lichte, grosszügige Treppenhäuser, die auch als Treffpunkt fungieren, Läden die anbieten, was die Bewohner brauchen, und keine Shops die sich einfach die Miete leisten können.“ Dieses Projekt sei erfolgreich, weil es einer Gemeinschaft ein Zuhause biete und keine Anhäufung von Wohnungen sei.

Nubisches Gewölbe                            

Der zweite Award ging nach Afrika: Ausgezeichnet wurde ein Projekt, das fünf Länder in der Sahelzone umfasst und Menschen dabei hilft, sich selbst ein Dach über dem Kopf zu bauen. Mit “A Roof, A Skill, A Market“ konnten bisher hunderte von Interessierte lernen, wie sie aus luftgetrockneten Ziegeln ein rundes Dach – oder vielmehr ein traditionelles nubisches Gewölbe – bauen. „Die Sahel-Region steht unter extremen Druck, sei es der Klimawandel, Konflikte oder steigende Armut“, so Ireland. Durch den Bau der Dächer werde es etwas einfacher in dieser fragilen Region zu leben. (mai)