Titlis im Sommer. (Robert J. Heath, Flickr, CC)
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Klimaerwärmung: Grüner Winter in den Alpen?


17.02.2017

Die Schneedecke in den Alpen könnte bis Ende des Jahrhunderts um über zwei Drittel – oder 70 Prozent – abnehmen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der des Instituts für Schnee und Lawinenforschung (SLF) sowie der ETH Lausanne (EPFL) in einer Studie.

Sie gehen davon aus, dass dieser Trend alle Höhenlagen betrifft, darunter am stärksten Gebiete, die tiefer als 1200 Meter über Meer liegen. Am wenigsten dürften jene Regionen leiden, die über 3000 Metern über Meer liegen – hier rechnen die Wissenschafter damit, dass sich die Schneedecke um 40 Prozent verringern wird. Steigen die Temperaturen jedoch weniger schnell als erwartet, könnte der Schneeschwund weniger dramatisch ausfallen. Erwärme sich die globale Temperatur bis Ende des Jahrhunderts um weniger als 2 Grad, könnte der Rückgang der Schneebedeckung auf rund 30 Prozent begrenzt werden, schreiben das SLF und die EPFL in ihrer gemeinsamen Medienmitteilung.

Die Studie zeigt ausserdem, dass der alpine Winter – das heisst die Zeitperiode, in der genügend natürlicher Schnee für den Wintersport liegt – kürzer wird. Somit dürfte die Skisaison im Zuge der Klimaerwärmung einen halben bis einen Monat später beginnen als heute. Falls es nicht gelinge, die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren, würden Ende dieses Jahrhunderts nur noch Gebiete oberhalb von 2500 Meter über Meer genügend Naturschnee für den Wintersport aufweisen, heisst es weiter in der Mitteilung. „Die Schneedecke in den Alpen wird ohnehin abnehmen“, sagt Christoph Marty SLF-Forscher und Hauptautor der Studie. „Aber unsere zukünftigen Emissionen bestimmen, um wie viel.“

Auch wenn die Temperaturen in den Alpen steigen werden – in welchem Ausmass, dessen ist sich die Wissenschaft nicht sicher. Allerdings: Laut verschiedenen Klimamodellen werden die Niederschläge im Winter gegen Ende des Jahrhunderts zunehmen. „Laut unserer Studie dürfte dieser Niederschlag infolge der gleichzeitig steigenden Temperaturen jedoch als Regen und nicht als Schnee fallen“, so Marty. „Wir hoffen, mit unseren Resultaten nun überzeugend zeigen zu können, dass der zunehmende Winterniederschlag den Effekt der stark ansteigenden Temperaturen nicht kompensieren kann.“  

Die Vorhersagen der Forscher basieren auf aktuellen und vergangenen Wetterdaten sowie verschiedensten Klimaerwärmungsszenarien, mit welchen sie mit Hilfe des Computermodell Alpine3d die zukünftige Schneedecke in zwei Bergregionen simulierten. (mai/mgt)